Antworten auf verneinte Fragen – ein Erklärungsversuch
 Foto einer Zeichnung mit einem in grün geschriebenen Ja, einem schwarzen Ausrufezeichen bzw. Fragezeichen und einem in rot geschriebenen nein

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 14.10.2015

Darf ich das nicht? Nein, du darfst es nicht! – Ja, du darfst es nicht! Man ist sich uneinig, wie auf verneinte Fragen korrekt geantwortet werden soll.

 

A: Hast du keinen Hunger? Nein.

B: Also hast du Hunger? Nein, ich habe keinen Hunger.

A: Also du meinst ja, du hast keinen Hunger.

B: Also ja. Oder auch nein. Hunger habe ich jedenfalls nicht.

 

Da haben wir den Konflikt wieder mal schwarz auf weiss: Es scheiden sich die Geister an der Problematik der möglichen Antwort auf eine verneinte Frage. Muss man mit „ja“ oder mit „nein“ antworten, wenn jemand eine verneinte Frage stellt?  

 

Zur Erläuterung: Verneinte Fragen sind Fragen, die eine Verneinung mit sich bringen. Es geht also um Fragen, die bereits in sich verneint formuliert werden. Sie werden mit „nicht“ oder „kein“ gebildet.

Hierzu zwei Beispiele:

  • Hast du keine Verwandten mehr?
  • Darf ich das nicht?

Verwirrung …

Über die möglichen Antworten zur Bestätigung verneinter Fragen ist man sich leider nicht einig. Auf die Verwandten-Frage kann nämlich zum Beispiel folgendermassen geantwortet werden:

  • Ja, ich habe keine Verwandten mehr.
  • Nein, ich habe keine Verwandten mehr.

Und auch die Darf-ich-das-nicht-Frage kann zwei mögliche Antworten nach sich ziehen:

  • Ja, du darfst das nicht.
  • Nein, du darfst das nicht.

Rettungsanker Widerspruch …

Unbestritten ist lediglich die Verwendung von „doch“, wenn Widerspruch ausgedrückt werden soll.

 

Für unser Beispiel bedeutet das Folgendes:

 

A: Hast du keinen Hunger?

B: Doch. (Ich widerspreche, denn ich habe Hunger.)

 

Oder im zweiten Beispiel wäre folgende Antwort als Widerspruch korrekt:

 

A: Darf ich das nicht?

B: Doch. (Ich widerspreche, denn du darfst das).

 

Problematik Bestätigung …

Was aber gilt als korrkekt, wenn man verneinte Fragen bestätigen will?

 

Jeder Mathematiker würde der Logik wegen für eine Bestätigung ein „ja“ verwenden.

 

A: Hast du keinen Hunger?

B: Ja (, ich habe keinen Hunger).

 

Schliesslich beantwortet man eine bejahte Frage auch mit ja, wenn man sie bestätigen will:

 

A: Hast du Hunger?

B: Ja (, ich habe Hunger).

 

Oder in unserem zweiten Beispiel:

 

A: Darf ich das nicht?

B: Ja (, du darfst das nicht).

 

Unsere Sprachrealität verhält sich jedoch nicht immer logisch. Laut den gängigen Grammatiken werden nämlich verneinte Fragen korrekterweise mit „nein“ bestätigt.

 

A: Hast du keinen Hunger?

B: Nein (, ich habe keinen Hunger).

 

A: Darf ich das nicht?

B: Nein (, du darfst das nicht).

 

Grundsätzlich können oder müssen wir uns sogar an die Anweisungen der Grammatiken halten, selbst wenn uns unsere innere Logik andere Lösungen vorzugeben versucht. In diesem Sinne gibt es also eine korrekte Lösung, die wir auch verwenden sollten: Verneinte Fragen werden mit „nein“ bestätigt.

 

Vielleicht hilft uns in der allgemeinen Kommunikation generell weiter, wenn wir uns lediglich auf den Unterschied „Bestätigung“ oder „Widerspruch“ konzentrieren, also darauf, dass die Antwort „doch“ bei einem Widerspruch zum Zuge kommt. Daraus können wir ableiten, dass sowohl ein „ja“ als auch ein „nein“ eine Bestätigung einer verneinten Frage bedeutet.

 

In diesem Sinne antworten Sie also auf unsere verneinte Frage „haben Sie es immer noch nicht begriffen“ entweder mit „doch“ oder – grammatikalisch korrekt – mit „nein“, wobei ein „ja“ für uns ebenfalls verständlich wäre.

In diesem Fall würden wir übrigens ein „doch“ begrüssen, denn sonst haben wir uns definitiv zu wenig klar ausgedrückt. ;-)

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 
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4 von 4 Kommentaren

R. M., Dienstag, 9. April 2019 21:51

Vielen Dank für die klärende Ausführung. Ich habe jahrelang logisch korrekt - aber grammatikalisch falsch - auf verneinte Fragen mit "ja" geantwortet und mich gewundert, dass entweder mehrmals (irritiert) nachgefragt, oder ich schlicht missverstanden wurde.

 

Ab jetzt passiert das nicht mehr ;-)

 

Viele Dank und Grüße

RM

T R , Montag, 9. September 2019 17:31

Ist das nicht lustig?

Ja. <--- Es ist lustig.

 

Ist das wirklich nicht lustig?

Ja. <--- Es ist nicht lustig.

 

Ist das nicht wirklich lustig?

Ja. <--- Es ist lustig.

 

Hier kommt es also darauf an worauf die Frage abziehlt. In diesem Sinne würde die Betonung auch die Frage verändern.

 

Wirklich lustig sind natürlich auch Fragen die gar nicht mit "ja" oder "nein" beantwortet werden können und bei denen "doch" auch nicht so richtig Sinn macht, wie bei diesem Beispiel aus dem Netz:

"Liebst du mich nicht mehr?"

 

Bei diesem Beispiel wird deutlich, dass es eigentlich darum geht was der Fragesteller mit der Frage will. Es soll bestätigt werden, dass er "noch" geliebt wird. Es wird also eine bestimmte Antwort erwartet.

 

Verneinte Frage sind mehr oder weniger immer rhetorisch gemeint. Fällt das rhetorische Element weg, dann lässt sich die Frage auch normal mit Ja oder Nein beantworten. Das Problem ist, dass sich in der Alltagssprache das rhetorische mit normalen Sätzen vermischen, da z. B. Höflichkeitskonventionen uns dazu zwingen oder es einfach kürzer ist. Statt der Frage "Darf ich deine Pizza essen?", frage ich doch lieber "Möchtest du deine Pizza nicht essen?"

Volkmar, Freitag, 21. August 2020 19:15

Bei allem Respekt, aber Ihre Erklärung stimmt nicht! Die Beantwortung einer schon verneint gestellten Frage hat nichts mit Grammatik zu tun, sondern, wie Sie es richtig erwähnen, mit Logik. Fragen, die so gestellt sind, dass diese nur ein Nein oder ein Ja bedürfen, behalten diesen Charakter auch mit einer schon verneinenden Fragestellung.

 

Beispiel: Ich gehe in den Getränkemarkt und habe kein Leergut. An der Kasse werde ich gefragt, ob ich kein Leergut hatte. Siehe oben, habe ich die Auswahl zwischen Ja und Nein.

 

Nein. Bedeutet eindeutig, dass ich Leergut hatte. Ja. Bedeutet eindeutig, dass ich kein Leergut hatte. Ja, ich hatte kein Leergut dabei.

 

Verwirrung stiften diese Fragen nur, weil die Leute überfordert sind. Also lieber das machen, was alle machen und wenn man dann noch so eine Erklärung im Netz liest, ist ja alles gut und muss stimmen. Fatal wird es, wenn man dann Ihre im Grunde richtigen Ja-Antworten mit der Erklärung in der Klammer liest. Jeder logisch denkende Mensch muss sich fragen, was soll das und so ging es mir beim Lesen Ihrer Zeilen.

Karl, Donnerstag, 24. Dezember 2020 08:48

Doch die Erklärung stimmt. Durch einen Blick in den Duden hätte ihre Antwort vermieden werden können und sie hätten Lebenszeit gespart...

Volkmar, Donnerstag, 24. Dezember 2020 10:59

Hallo Karl.

 

Mit welchen Recht entscheiden Sie, wie ich mein Hirn nutze! Ich nutze die deutsche Sparache ganzheitlich und bei verneinenden Fragen antworte ich ENTSPRECHEND und wahrheitsgemäß. Lesen Sie sich noch einmal vorurteilsfrei mein Leergut-Beispiel durch und dann werden Sie auch verstehen, egal was im Duden steht und was nicht. Des Weiteren geht es Sie NICHTS an, was ich in meiner Lebenszeit tue! Mit Ihrem Kommentar geben Sie sehr, sehr viel von sich preis und ich bewundere Ihren Mut, dies in diesem Umfang in der Öffentlichkeit zu tun.

Karl, Freitag, 25. Dezember 2020 15:45

Ja ihre Ausgangsthese ist halt einfach falsch: Zitat: „Die Beantwortung einer schon verneint gestellten Frage hat nichts mit Grammatik zu tun…". Die Nutzung der Sprache hat halt eben doch was mit Grammatik zu tun und der Duden ist nun mal das Standardwerk dafür. Das sie nichts von diesem Standardwerk der deutschen Sprache halten, könnte durch einen neutralen Beobachter hieraus abgeleitet werden, Zitat: „…egal was im Duden steht und was nicht…". Ein neutraler Beobachter kommt nun erneut zu dem Schluss, dass ihnen Lebenszeit abhanden gekommen ist. Natürlich steht es ihnen frei hierfür soviel Hirn und Lebenszeit zu verwenden, wie ihnen auf Erden gegeben ist.

Volkmar, Freitag, 25. Dezember 2020 17:03

Hallo Karl.

 

Schon das fehlt Ihnen, das Wissen, eine Anrede zu formulieren.

 

Lesen Sie sich mein Leergutbeispiel durch und Sie wissen, was ich meine. Soll ich meinen Kopf ausstellen, nur weil es eine von Menschen erstellte Regel gibt, die der Logik widerspricht? Das mögen sehr viele tun, ich denke da nur an die vielen lustigen Geschichten mit den Navigationsgeräten ... Gerät an, Hirn aus .... aber ich nicht. Also antworte ich weiterhin mit JA, wenn ein Kollege fragt, ob mein Tischkollege nicht da ist .... der offensichtlich NICHT im Raum ist.

Karl, Freitag, 25. Dezember 2020 21:08

Das sie deutsche Sprache aber nun nicht unbedingt ein Meisterwerk der Logik ist, zeigt schon allein so ein einfaches Beispiel wie die Verwendung der bestimmten Artikel. Der neutrale Artikel „das" kennzeichnet nicht zwingend, wie man nach einer einfachen Logik schlussfolgern möchte, Subjekte mit neutralem, natürlichem Geschlecht (z.B. das Mädchen). Es verbietet einem natürlich niemand zu sagen: „die Mädchen" (Sg.). Zu solchen und vielen anderen Problemstellungen hat sich nun innerhalb der deutschen Sprachgemeinschaft ein Konsens gebildet, wie die Sprache anzuwenden sei. Und um eine allgemein gültige Regelung zu schaffen, hat man grammatikalische Regeln aufgestellt.

Aber gerade bei diesem Fragenproblem zeigt sich auch für viele, dass nach dem erworbenen Sprachgefühl beides passend sein könnte. Dem obigen Artikel nun zu widersprechen indem man sage, dass die Beantwortung nichts mit Grammatik zu tun habe und einer (anderen) Logik folgen müsse, hilft hier dem interessierten Leser nicht weiter.

Sie können natürlich auf jede Frage in der grammatikalischen Form antworten, die sie für richtig erachten. Denn ein Abweichen von den Regeln ist nicht verboten. Auch können die Regeln geändert werden um einer neuen Logik zu folgen (siehe neue dt. Rechtschreibreform).

Man kann daher nun mit den aktuellen dt. grammatikalischen Regelungen leben, aber man muss es auch nicht zwingend.

 

Sebastian, Sonntag, 10. Januar 2021 06:03

Ein interessantes Thema, über das ich schon viel nachgedacht habe. Wie würde es denn rechtlich aussehen, wenn ich auf eine verneinte Frage vor Gericht mit "ja" antworten würden, weil es entgegen aller Konventionen meiner inneren Logik entspricht?

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