Phraseologismus
 Foto eines Scrabble mit den Wörtern Angsthase und Sparfuchs

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 30.07.2019

Wir sind voll in Fahrt und widmen uns einem weiteren Sprachthema: dem Phraseologismus

 

Sprachschaffende kennen es, aber auch Laien werden im täglichen Sprachgebrauch – bewusst oder unbewusst – mit Phraseologismen konfrontiert.

 

In der Sprachwissenschaft versteht man darunter Spracheigentümlichkeiten – in Form von idiomatischen Wortverbindungen oder syntaktischen Fügungen –, die zu einer Einheit zusammengewachsen sind. Die Bedeutung von Phraseologismen ergibt sich aber oft nicht direkt aus der Bedeutung der einzelnen Bestandteile. Daher ist es für Fremdsprachige nicht selten eine Herausforderung, Phraseologismen zu verstehen und deren korrekte Verwendung zu lernen. Bisweilen stehen aber auch muttersprachige Leserinnen und Leser vor einem Rätsel, wenn sie mit gewissen Phraseologismen konfrontiert werden – dies vor allem bei historischen Redewendungen.

 

Merkmale

Ein Phraseologismus besteht aus mindestens zwei lexikalischen Einheiten – also aus mindestens zwei Wörtern. Dazu zählen auch Komposita – zusammengesetzte Wörter –, deren Bedeutung sich aber nicht aus der Bedeutung von Grund- und Bindewort ableiten lässt.

  • Sparfuchs (sparsame Person – nicht zwingend geizig)
  • Angsthase (ängstliche Person)

Ein weiteres Hauptmerkmal ist die Festigkeit von Phraseologismen. Das heisst, ein Phraseologismus ist syntaktisch nicht umstellbar. So würde ein Muttersprachler die Verfasserin des Satzes „Sie haben ihr gesamtes Gut und Hab verloren“ sofort als Person entlarven, die nicht Deutsch als Muttersprache hat. Auch über die syntaktische Verknüpfung im Satz: „Die Einbrecher nahmen alles mit, was nicht nagel- und nietfest war“, würden muttersprachige Leserinnen und Leser stolpern. Eine Person mit deutscher Muttersprache weiss, dass jeweils die umgekehrte Reihenfolge korrekt ist. Würde Ihr Gegenüber Ihnen erzählen, dass es bei einem Autounfall nicht verletzt wurde und daher „Katze gehabt“ hätte, würden Sie sich wohl zuerst fragen, ob sie oder er nicht doch etwas abbekommen hat beim Zusammenstoss. Denn natürlich wissen Sie, dass die korrekte Redensart „Schwein gehabt“ heisst.

 

Übersetzbarkeit

Einer muttersprachigen Person fällt sofort auf, wenn ein Text nicht idiomatisch ist – es muss nicht einmal das geschulte Auge des Sprachprofis sein. Phraseologismen sind nicht selten unübersetzbar. Sie haben also oft keine Eins-zu-eins-Entsprechung in der Zielsprache, da sie eine Eigenheit einer einzelnen Sprache sind. „Es hagelt Katzen“ kann zum Beispiel nicht einfach mit „It’s hailing cats“ übersetzt werden – auf Englisch hagelt es nämlich nicht Katzen, sondern Soft- oder Golfbälle (It’s hailing softballs/golf balls). Es gilt also, die idiomatische Wendung in der Ausgangssprache möglichst durch eine idiomatische Wendung in der Zielsprache zu ersetzen und wenn dies nicht möglich ist, zu erklären. Die Übersetzerin oder der Übersetzer muss daher den Ausgangstext vollständig verstehen und fähig sein, den Sinn in der Zielsprache wiederzugeben, sich aber trotzdem nahe am Ausgangstext bewegen. Die Kreativität der Übersetzerinnen und Übersetzer ist hier einmal mehr gefragt.

 

 

Autorinnen: Myriam Cavegn, Tatjana Greber-Probst

 

 

 
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