Korrektorat oder Lektorat?
 Foto eines Textes mit Fehlern und der schriftlichen Aufgabe, ihn zu korrigieren.

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 29.05.2019

Kannst du diesen Text bitte korrigieren? Für den Laien eine klare Aufgabe, für den Sprachprofi weniger. Korrekturlesen kann Unterschiedliches bedeuten.

 

In unserem letzten Blog haben wir uns mit dem Weg zu einem fehlerfreien Text beschäftigt und dabei die wichtige Phase des Korrekturlesens etwas näher beleuchtet.

 

Korrekturlesen wurde damals im Sinne einer Eliminierung von eindeutig identifizierbaren Fehlern betrachtet. Die Wörter werden korrekt geschrieben, die Fälle stimmen oder die Kommata sind richtig gesetzt. Nun kann Korrekturlesen aber auch mehr beinhalten: Neben der Überprüfung von Rechtschreibung, Grammatik oder Zeichensetzung kann ein Text zusätzlich stilistisch in eine bessere Form gebracht werden. Dies ist ein weiterer Schritt in der Perfektionierung von Geschriebenem, der jedoch einen anderen Schwerpunkt beinhaltet.

 

Die beiden erwähnten Schritte unterscheiden sich in den Grundzügen und werden deshalb auch unterschiedlich benannt. Während es sich bei Schritt 1, also bei der Überprüfung eines Textes auf Fehler im klassischen Sinn um ein Korrektorat handelt, geht es bei Schritt 2 um mehr, nämlich um die stilistische Überarbeitung eines Textes. Der erwähnte Schritt wird Lektorat genannt. Wichtig ist, dass ein Lektorat das Korrektorat mit einschliesst.

 

Zum besseren Verständnis hier nochmals das Wesentliche in Kurzform:

Korrektorat

Das Korrektorat ist eine reine Fehlerkorrektur. Überprüft werden unter anderem vor allem …

… Rechtschreibung

… Grammatik

… Interpunktion (Zeichensetzung)

… Silbentrennung

… Typografie (Anführungszeichen, Apostrophe, Gedankenstriche, Einzüge usw.)

Lektorat

Das Lektorat schliesst ein Korrektorat mit ein und ist zusätzlich eine stilistische und inhaltliche Verbesserung eines Textes. Überprüft werden unter anderem vor allem …

… Stil

… Verständlichkeit

… Klarheit

… Bezüge, Zusammenhänge

… Logik

 

In der Praxis verwischt sich der Unterschied zwischen Korrektorat und Lektorat nicht selten. Der Auftrag von aussen ist, einen Text zu korrigieren. In der Regel wird dabei nicht klar definiert, was dieser Schritt genau beinhaltet. Die Lektorin resp. der Lektor eliminiert die sichtbaren Fehler und bleibt oft unsicher im Umgang mit stilistischen Ungenauigkeiten oder schwer verständlichen Passagen. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass in Stilfragen nicht mehr unbedingt mit richtig oder falsch argumentiert werden kann und somit stilistische Korrekturen Ansichtssache sind oder sogar zu Streitpunkten werden. Weiter ist beim Korrigieren eines Textes nicht selten eine gewisse Angst vorhanden, die Autorin oder den Autor mit vielen Verbesserungen – auch stilistischer Art – unter Umständen als sprachlich nicht versiert aussehen zu lassen. Man beschränkt sich demzufolge auf die Korrektur der sicht- und beweisbaren, wesentlichsten Fehler. Dabei wäre die Verfasserin oder der Verfasser eines Textes vielleicht äusserst froh um eine sehr gründliche Überarbeitung desselben.

 

Gerade aus den erwähnten Gründen ist es in der Praxis sehr wertvoll, vor dem Korrekturlesen genau zu klären, was Letzteres beinhalten soll. Je klarer der Auftrag für die Lektorin oder den Lektor im Vorfeld definiert ist, desto einfacher gestaltet sich die Arbeit und desto besser kann sich auch die Verfasserin oder der Verfasser eines Textes auf das Resultat des Korrekturlesens vorbereiten.

 

Legen Sie also in Zukunft im Vorfeld fest, wie umfangreich die Überarbeitung Ihres Textes ausfallen soll. Die Begriffe Lektorat und Korrektorat werden Ihnen bei der Formulierung eines klaren Korrekturauftrages sicherlich dienen.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 

 
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