Wörter und Unwörter 2016 – die Resultate
 Foto von Scrabble-Steinen, die die Wörter Unwort und Satz bilden.

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 23.12.2016

In der Schweiz stehen die Lieblinge und schwarzen Schafe des Vokabulars 2016 fest. Die Wahl ist eine Rückschau der besonderen Art.

 

And the winner is …

Unter der Ägide von SRF 3 kürte eine sechsköpfige Jury die Schweizer Wahlsieger.

 

In der Kategorie „Wort des Jahres“ machte der Begriff „Filterblase“ das Rennen. Filterblasen sind virtuelle Räume, auch „Echokammern“ genannt. Sie vereinen Gleichgesinnte und vermitteln die falsche Sicherheit, alle hätten die gleichen Ansichten. Filterblasen platzen zuweilen, wie zum Beispiel jene, in der sich alle Clinton-Anhänger im Rahmen der US-Präsidentschaftswahl befanden.

 

„Inländervorrang light“ wurde zum Unwort des Jahres erwählt. Die Wortschöpfung zeigt die Mühen in der Umsetzung der Volksinitiative gegen Masseneinwanderung. Der Zusatz „light“ reflektiert zudem die omnipräsente Kompromissbereitschaft der Schweizer Politik, die nicht nur positive Aspekte mit sich bringt.

 

Der Schweizer Satz des Jahres 2016 lautet folgendermassen: „Vielleicht müssen wir die Granaten in Zukunft ohne Logo liefern, damit niemand weiss, woher sie stammen.“ Zu dessen Wahl macht die Jury folgende Erläuterungen: „Diesen Satz sagte der gewählte Volksvertreter Andreas Glarner am Vorabend des 1. August in einem Interview mit dem Aargauer Regionalsender Tele M1. Ein IS-Attentäter hatte bei einem Terroranschlag in der Türkei Schweizer Granaten eingesetzt, worauf in der Schweiz der Ruf nach einem Verbot von Kriegsmaterialexporten laut wurde. Der Satz erscheint der Jury als Inbegriff helvetischer «Das geht uns nichts an»-Mentalität – Waffen zu exportieren und sich um die Folgen, zum Beispiel Flüchtlinge, zu foutieren, ist zynisch.“

 

„Filterblase“, „Inländervorrang light“ und „Granaten ohne Logo“: Die erwähnten Einzelelemente rufen prägende Geschehnisse des letzten Jahres hervor und zeichnen somit Vergangenes in gewisser Hinsicht nach.

 

Privates Forschen nach Wörtern und Unwörtern

Szenenwechsel und ein kleines Experiment: Sammeln Sie in Ihrem privaten Bereich zwei Wörter, und zwei Unwörter, die ihnen spontan zum vergangenen Jahr in den Sinn kommen. Überlegen Sie nicht lange, fangen Sie einfach die Elemente ein, die Sie am ehesten anspringen.

 

Bei der Autorin ist der Fall sofort klar:

„Gamen“ und „Mängelliste“ sind die privaten Unwörter 2016. Als Wörter des vergangenen Jahres drängen sich „Sommer“ und „Zeitfenster“ auf.

Tatsächlich fand ich im vergangenen Jahr den Kampf um einen vernünftigen Umgang mit den Game-Apps der Generation Handy und Tablet besonders anstrengend. Und die Problematik der Mängelliste kennen Sie ja bereits vom letzten Blog: Der Hausbau war anstrengend, das Beheben der Mängel leider noch anstrengender … Meine Wörter des Jahres „Sommer“ und „Zeitfenster“ stehen für eine wunderbar ruhige, sommerliche Ferienzeit und neue Freiheiten, die sich für eine Mutter ergeben, wenn alle Kinder im Schulsystem integriert sind. Vier Wörter, und schon erhält auch das private Jahr 2016 ein ganz besonderes Bild.

 

Rückschau halten …

Wenn Sie sich nicht unbedingt als Begriffs-Sammlerin oder Begriffs-Sammler sehen, haben Sie vielleicht ja sonst irgendwann mal Lust, eine kurze Pause einzulegen und das vergangene Jahr auf ihre eigene Art Revue passieren zu lassen.

 

Und natürlich wünschen wir Ihnen, dass im Rahmen dieser Rückschau viel mehr positiv besetzte Begriffe als Unwörter auftauchen. 

 

Von Herzen frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!

Ihr GT-Blogteam

 

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 
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