Un-Wörter – unbestritten unabdingbar
 Foto von Unkraut

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 12.08.2015

Ein kleiner, unscheinbarer Wortteil, der viel bewirken kann: Die Vorsilbe un- ist eine der beliebtesten und vielseitigsten Vorsilben der deutschen Sprache.

 

Die Vorsilbe un ist im Deutschen unglaublich weit verbreitet, lässt sie sich doch mit unheimlich vielen Substantiven und Adjektiven verbinden. Sie setzt die Bedeutung eines Wortes in der Regel ins Gegenteil, denn un funktioniert ähnlich wie eine Negation und bedeutet in etwa das gleiche wie nicht. Ein ungleiches Paar ist also ein Paar, das nicht gleich ist – sei es im Aussehen, im Verhalten oder sonst in einer Eigenschaft. Bei einer ungenauen Studie fehlt die Genauigkeit, und eine unsichere Situation ist eine Situation, in der man sich nicht gerne befindet, da sie nicht sicher oder gefährlich ist. Das sieht also alles ganz einfach aus: Pflanzt man vor ein Substantiv oder ein Adjektiv die Silbe un, so wird die Bedeutung umgekehrt, und man hat das gegenteilige Wort vor sich.

Unkraut ist auch ein Kraut

Lassen Sie sich aber nicht täuschen, denn ganz so simpel ist die Sache nicht. Die kleine Vorsilbe un ist zwar beliebt, aber auch heimtückisch. Es wäre ja zu einfach, wenn sich mit dem Wortteil un die Bedeutung aller ihm angehängten Wörter umkehren liesse.

 

Gerade für Personen, die Deutsch als Fremdsprache lernen, ist nicht immer klar, ob sich die Vorsilbe un überhaupt mit einem Substantiv oder Adjektiv kombinieren lässt, und wenn ja, welche Bedeutung sie dem neuen Wort verleiht. So entstehen manchmal lustige, nicht existierende Kombinationen wie Unqualität, Unstreber oder unganz. Un setzt zudem Wörter nicht nur ins Gegenteil, sondern kann auch deren Bedeutung verändern und ihnen dabei meist eine negative Nuance verleihen. So ist die Unart nicht das Gegenteil von Art, sondern eine schlechte Angewohnheit. Und das Gegenteil von Fall ist nicht Unfall. Ein Unfall ist ein negatives Ereignis. Das Unkraut ist nicht kein Kraut, sondern ein negativ behaftetes Kraut, das eigentlich niemand in seinem Garten haben möchte. Und ein Unmensch ist auch ein Mensch, aber eben ein schlechter.

Wir brauchen die Vorsilbe un – aber …

Un ist eine wirklich praktische Vorsilbe, da man sich mit ihr – richtig eingesetzt natürlich – sehr leicht und ohne grosses Nach-Worten-Ringen ausdrücken kann. Passen Sie aber auf! Ein Text oder ein Gespräch wird schnell schwerfällig oder vielleicht sogar unerträglich, wenn Wörter mit der Vorsilbe un vorherrschen. Gehen Sie also nicht allzu verschwenderisch mit Un-Wörtern um!

 

Haben Sie ein Lieblings-Un-Wort oder kennen Sie eines, das Sie nicht mehr hören/lesen können? Gerne können Sie es uns mittels Kommentarfeld mitteilen.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 

 
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