Unwort des Jahres 2016
 Foto mit gezeichnetem Teufelchen und Bildüberschrift "Unwort"

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 08.12.2016

Satz und Wort des Jahres zeigen in der Regel, was uns im vergangenen Jahr am meisten beschäftigt hat. Welche Funktion aber hat das Unwort des Jahres?

 

Wie im letzten Blog näher erläutert, sind Wort und Satz des Jahres relativ klar zu umreissen. Doch was hat es eigentlich mit dem Unwort auf sich? Schaut man genauer hin, scheiden sich bei diesem Begriff nämlich die Geister – er hat mehrere Bedeutungen.

 

Laut Duden bedeutet „Unwort“ entweder „schlechtes, falsch gebildetes, unschönes Wort“ oder aber „schlimmes, unangebrachtes Wort“. Auf dem Gebiet der Sprachkritik bezeichnet man oft auch ein „unerwünschtes Wort“ als Unwort.

Schweizer Unwörter

Auffallend ist nun aber, dass die Schweizer Unwörter der vergangenen Jahre nicht unbedingt in diese Kategorien fallen. Es handelt sich in dem meisten Fällen vielmehr um „abgenutzte“ Begriffe. Das Unwort ist also für uns Schweizer eher ein Ausdruck, den wir nicht mehr hören können, weil er zu oft gebraucht wurde.

 

„Bio“ zum Beispiel war das Unwort des Jahres 2014, ein Wort, das allen, die der Bio-Diskussion müde waren, wohl ziemlich auf die Nerven ging. „Bio“ an sich beinhaltet nämlich weder schlechte Komponenten noch ist der Begriff falsch gebildet, unschön, schlimm oder unangebracht. Im Jahr 2014 hatte man von „Bio“ wohl schlicht und einfach die Nase voll. Ähnlich verhielt es sich mit der „Klimakompensation“ im Jahr 2007: Die Bevölkerung war der Thematik sicher einfach überdrüssig. Wobei bei diesem Wort vielleicht doch auch die Begriffsbildung eine Rolle spielt. Wie kann man nämlich Klima genau kompensieren? Die Kompensation ist ein Ausgleich, eine Gegenleistung oder eine Entschädigung, in der Regel im Zusammenhang mit Negativem. So könnte man eine Klimaschädigung kompensieren, aber nicht das Klima an sich. Klimakompensation fällt also tatsächlich auch in die Kategorie „falsch gebildetes Wort“.

Deutsche Unwörter

Im Gegensatz zu seinem Schweizer Pendant muss das deutsche Unwort ganz klar definierte Kriterien erfüllen: Es muss sich um einen Begriff handeln, der „gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstösst“. Die Hervorhebung des Unwortes des Jahres basiert auf der Annahme, dass sprachliche Ausdrücke dadurch zu Unwörtern werden, dass sie von den Sprechenden entweder gedankenlos oder aber mit kritikwürdigen Absichten verwendet werden. In Deutschland hat die Wahl des Unworts des Jahres also auch eine wegweisende Funktion: Mit der Kritik an unangemessenen Kreationen der Bevölkerung hofft man auf mehr Verantwortung im sprachlichen Handeln.

 

Das Schweizer Unwort des Jahres 2003 „scheininvalid“ würde also die deutschen Kriterien erfüllen. Christoph Blochers Erfindung ist diffamierend und deshalb nicht korrekt. So fiel zum Beispiel auch das deutsche Unwort des Jahres 2013 klar in die Kategorie unangemessener Begriffe: „Sozialtourismus“ galt als deutlicher Stimmungsmacher gegen unerwünschte Zuwanderer.

 

Ob abgenutzt wie in der Schweiz oder aber nicht reflektiert wie in Deutschland – Unwörter haben eines gemeinsam: Man möchte eigentlich, dass sie sich so schnell wie möglich in Luft auflösen.

Private Unwörter

Leider ist dies ein frommer Wunsch – schliesslich lösen sich auch die privaten Unwörter des Jahres nicht einfach so in Luft auf. Apropos private Unwörter: Welches ist das Wort, das Sie, liebe Leserinnen und Leser, im neuen Jahr am liebsten nie mehr hören würden?

 

Bei der Verfasserin dieses Blogs ist der Fall übrigens klar: MÄNGELLISTE. Zum Glück wird nächstes Jahr ganz sicher kein Haus gebaut. ;-)

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 

 
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