Unbeliebte Wörter ...
 Foto eines Scrabble-Spiels

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 28.10.2015

Nicht durch Zufall existiert die Wahl des Unworts des Jahres. Tatsächlich gibt es unbeliebte Wörter, die man gerne einfach verbannen möchte.

 

Tauchen wir kurz ein in die Welt der Musik: Man kennt ein Lied, das einem überhaupt nicht gefällt, trotzdem bringt man es einfach nicht mehr aus dem Kopf. Den ganzen Tag wird man von ihm verfolgt, und es lässt sich durch nichts vertreiben. Auch das Hören oder In-Gedanken-Singen eines anderen, beliebteren Songs verbannt das ungeliebte Lied nicht. Immer wieder drängt es sich in den Vordergrund. Es ist zum Verzweifeln!

 

Ein ähnliches Phänomen beobachten wir manchmal bei Wörtern: Es gibt unbeliebte Wörter – Wörter, die wir einfach nicht leiden können. Sei es wegen ihrer Bedeutung, aufgrund ihres Klangs, oder auch schlicht und einfach, weil man sie zu oft hört oder liest – sie sind uns einfach unsympathisch! Und es ist oft wie verhext, denn man begegnet genau diesen Wörtern immer wieder. In der Zeitung, in Büchern, beim Fernsehen, im Gespräch mit Freunden – egal, wo man ist oder was man tut – unbeliebte Wörter können einem regelrecht verfolgen!

Neue Kreationen

Netiquette. Für uns ein Beispiel eines solchen Nervtöters aus Buchstaben. Dieses Wort ist eine Zusammensetzung aus dem englischen „net“ für Netz und dem französischen „étiquette“ für Verhaltensregeln. Unter dem im Jahr 2000 erstmals im Rechtschreibduden erschienenen Wort werden die Regeln für soziales Kommunikationsverhalten im Internet verstanden. Wir drücken uns wesentlich lieber anders aus und verwenden „Benehmen in der digitalen Kommunikation“ oder so ähnlich. Doch die „Netiquette“ bleibt omnipräsent.

Nicht existierende Wörter und Fehler

Weitere Kandidaten für die Kategorie „unbeliebte Wörter“ sind nichtssagende Worthülsen, wie sie zum Beispiel oft in Arbeitszeugnissen vorkommen. Da fällt uns unter anderem „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ ein. Die Wortfolge wirkt nicht nur schwerfällig, sondern auch redundant. „Wir waren sehr zufrieden“ würde reichen und wäre auch wesentlich einfacher zu verstehen. Oder nicht selten hört und liest man Sätze wie: „Sie war die Einzigste, die die Prüfung nicht bestanden hatte.“ Die Steigerung des Adjektivs „einzig“ ist schlicht und einfach falsch, denn einziger als einzig zu sein, geht gar nicht. „Bekanntlicherweise“ ist ebenfalls ein Fehler dieser Art. Es gibt lediglich die Wörter „bekanntlich“ und „bekannterweise“.

Trendwörter

Die moderne deutsche Sprache wird extrem vom Englischen beeinflusst. Und nicht wenige Helden der Kategorie „unbeliebte Wörter“ kommen aus dem Englischen. Verstehen Sie uns aber nicht falsch: Wir mögen die englische Sprache sehr! Um unseren Text abwechslungsreicher zu gestalten, haben wir im ersten Abschnitt ja auch das englische Wort „Song“ für „Lied“ verwendet. In manchen Texten – oder Gesprächen – wird aber mit englischen Ausdrücken richtiggehend um sich geschlagen. So kann man heute „voten“ anstatt „abstimmen“, und der gute alte Hauswart ist nun ein Facility Manager – klingt interessant und exklusiv – es handelt sich aber immer noch um den gleich gewöhnlichen Beruf wie früher. Auch wird man beispielsweise auf Facebook von jemandem auf einem Foto getagged und nicht markiert. Müssen diese Verfremdungen wirklich immer sein? Es lohnt sich, wenn wir uns diese kritische Frage ab und zu wieder stellen.

 

Das Adjektiv „affin“ ist uns übrigens auch nicht sonderlich sympathisch. Dies aber nicht, weil wir das Wort an sich nicht mögen. Nein, wir sind sogar der Meinung, dass es durchaus schön tönt, wenn man beispielsweise sagt, jemand sei sprachaffin. Dennoch sind wir dieses Wortes – in unserem Beispiel als Suffix verwendet – überdrüssig, da man es bei jeder Gelegenheit zu hören bekommt. Auch in Situationen, in denen es nicht wirklich passend ist.

 

Fazit: Wörter, die wir nicht mögen, finden wir nicht unbedingt einfach unschön. Wir haben lediglich genug von ihnen, weil sie falsch sind, zu oft oder nicht richtig verwendet werden oder sogar schlicht und einfach nicht existieren.

 

Auch mit der Musik ist es so: Nicht alle Lieder, die uns ungewollt „nachlaufen“, finden wir zwingend schlecht. Sie passen vielleicht einfach nicht zu unserer Grundstimmung, wir haben sie zu oft gehört oder sie tönen zu wenig authentisch.

 

Wie schön wäre es dann, im Kopf eine Stopptaste drücken zu können. Oder bei den Wörtern einfach ein virtuelles Tipp-ex zu verwenden ...

 

Kennen Sie auch Wörter, die sie nicht mehr hören oder lesen können? Teilen Sie sie uns doch im Kommentarfeld unten mit.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 
Loading

0 von 0 Kommentaren

Kommentar schreiben