Übersetzung und Deadlines
 Foto von einer gezeichneten Uhr.

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 19.10.2016

Unsere Blogserie hat es aufgezeigt – Übersetzen bringt viele Herausforderungen mit sich. Die wohl grösste unter ihnen: die engen Deadlines!


Sie wissen nun gut, was beim Übersetzen alles für Schwierigkeiten auftauchen können. Mr. Translator kämpft unter anderem mit mangelhaften Ausgangstexten und ungenügendem Fachwissen, das endlose Recherchen erfordert. Er schlägt sich mit fehlendem Kontext herum und ist immer wieder gefordert, wenn in den Sprachen, in denen er arbeitet, die richtigen Entsprechungen fehlen.

 

Lieber gestern als heute …

 

All diese Knacknüsse würden Mr. Translator an sich noch nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil, sie bringen viel Abwechslung in seinen Berufsalltag und fordern ihn stets aufs Neue heraus. Wären da nicht die kurzfristigen Deadlines!

 

Dass unsere Gesellschaft immer mehr Output innerhalb immer kürzerer Zeit fordert, ist klar. Hinzu kommt, dass die Übersetzung meist in der Mitte der Produktionslinie angesiedelt ist. Dies bedeutet, dass enge Deadlines und Verspätungen die Übersetzerinnen und Übersetzer sehr oft am härtesten treffen: Der Text wird oft später als vorgesehen zur Übersetzung geliefert, da das Original nicht rechtzeitig fertig wurde. Der Termin, an dem die Übersetzung in den Druck geht oder auf einer Website aufgeschaltet wird, steht aber fest und kann selten verschoben werden.

 

Zu Ihrem besseren Verständnis: Viele Übersetzerinnen und Übersetzer rechnen mit rund 25 Normzeilen pro Stunde fürs Übersetzen und mit 100 Normzeilen pro Stunde fürs Korrekturlesen. Was bedeutet dies konkret?

 

Zwar ist jedes Schriftstück anders formatiert und bedruckt, jedoch kann man davon ausgehen, dass eine DIN-A4-Seite grob geschätzt 50 Normzeilen enthält. Die Rechnung ist einfach: Für die vollständige Bearbeitung einer A4-Seite werden somit nach dem Vieraugenprinzip (Übersetzung und anschliessendes Korrekturlesen einer zweiten Person) rund 2,5 Stunden benötigt.

 

Auf den ersten Blick sieht dies nach einer komfortablen Berechnung aus, doch Sie kennen nun all die Knacknüsse, die die Übersetzerarbeit erschweren können. Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet macht die erwähnte Zeitrechnung deshalb durchaus Sinn.

 

Nicht selten sehen die Zeitberechnungen von Kundinnen und Kunden jedoch ganz anders aus. So kommt es vor, dass man mit Deadlines konfrontiert wird, im Rahmen derer drei- oder sogar viermal weniger Zeit als eigentlich notwendig eingerechnet ist. Klar kann man bei der Arbeit einen Gang höher schalten, Nachtschichten einlegen, Übersetzungsaufträge auf unterschiedliche Übersetzerinnen und Übersetzer aufteilen oder die Korrekturarbeit durch eine zweite Person weglassen. Das Resultat wird jedoch sicher nicht gleich befriedigend ausfallen wie im Rahmen angemessener Fristen.

 

Eine weitere Hürde, derer sich Laien nicht bewusst sind, bedeuten Kurzaufträge, die im Expresstempo erledigt werden müssen. Oftmals gehen solche Aufträge auf Kundenseite mit dem Gefühl einher, sie würden wenig Zeit brauchen, da es sich ja nur um einzelne Sätze oder sogar Wörter, um Ergänzungen oder Anpassungen handelt. Auch hier: weit gefehlt! Oft sind es genau jene Kleinigkeiten, die sich als unheimlich zeitraubend herausstellen. Ein neu zu übersetzender Satz erfordert nämlich nicht selten doch das Verständnis eines ganzen Textes und seines Kontextes, und auch nur eine Reihe Wörter kann umfangreiche Recherchen mit sich bringen.

 

Übersetzerinnen und Übersetzer sind sich enge Fristen gewohnt und bringen sehr oft auch veritable Kunststücke zustande, was Deadlines anbelangt. Sie versuchen auch immer, das nötige Verständnis für den Druck aufzubringen, dem ihre Kundschaft ausgesetzt ist. Im Gegenzug sind sie jedoch auch froh um die Nachsicht ihrer Kundinnen und Kunden. Basis dafür ist das Wissen um all die Schwierigkeiten, die die Übersetzerarbeit mit sich bringt. Wir freuen uns also, wenn der Laie ab und zu an Mr. Translator denkt – er wird besser nachvollziehen können, dass Übersetzungen nicht auf Knopfdruck erstellt werden können.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 
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1 von 1 Kommentaren

Hattie Rössger, Mittwoch, 19. Oktober 2016 17:26

"Sie versuchen auch immer, das nötige Verständnis für den Druck aufzubringen, dem ihre Kundschaft ausgesetzt ist."

Meistens! ;-)

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