Übersetzen als Beruf – wir räumen Missverständnisse aus dem Weg!
 Foto eines aufgeschlagenen Deutsch-Englischwörterbuches

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 12.02.2016

Als Übersetzerin oder Übersetzer wird man oft auf seine Arbeit angesprochen. Viele sind interessiert, doch oft herrscht grosse Unklarheit.

 

Was macht eine Übersetzerin oder ein Übersetzer genau? Die Allgemeinheit hat meist eine ungenaue oder gar falsche Vorstellung von unserer Arbeit. Um Klarheit zu schaffen und eventuell vorhandene Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, widmen wir uns in diesem Artikel unserem geliebten Beruf – dem Übersetzen.

Übersetzen vs. Dolmetschen

Viele sind der Annahme, dass zwischen dem Übersetzen und dem Dolmetschen keine Unterschiede bestehen. Wenn ich jemandem sage, dass ich Übersetzerin bin, erhalte ich sehr oft folgende Reaktion:

„Ach so, du bist also Dolmetscherin, das ist ja interessant!“ Beides sind zwar Sprachberufe, und es gibt tatsächlich viele Übersetzerinnen und Übersetzer, die auch dolmetschen. Trotzdem handelt es sich um zwei unterschiedliche Berufe der Sprachbranche. Der wesentliche Unterschied ist ganz banal, aber gross: Dolmetschen beinhaltet das mündliche Übertragen einer Sprache in eine andere. Beim Übersetzen überträgt man auch eine Sprache in eine andere, aber ausschliesslich in schriftlicher Form. Beim Dolmetschen werden zudem noch verschiedene Arten unterschieden. Auf diese werden wir aber in einem späteren Artikel zu sprechen kommen.

„Du sprichst also perfekt Englisch/Französisch etc.?“

Schön wär’s! Aber leider nein. Übersetzerinnen und Übersetzer beherrschen die Sprache oder Sprachen, aus der oder denen sie übersetzen, nicht zwingend oder besser selten perfekt. Dies aus dem einfachen Grund, dass kaum jemand auf der Welt zwei Sprachen in Wort und Schrift abschliessend beherrschen kann. Letzteres ist alleine aus dem Grund nicht möglich, weil sich Sprachen dauernd verändern. Natürlich beherrschen die Übersetzerinnen und Übersetzer jene Sprachen, aus denen sie übersetzen, sehr gut. Sie kennen auch deren Eigenheiten. Wichtiger ist jedoch, dass sie vor allem in ihrer Muttersprache absolut sattelfest sind.

Das Muttersprachenprinzip

Ein weiterer Punkt, der oft unklar ist, betrifft die Sprachrichtung. Um beim Übersetzen eine hohe Qualität zu erreichen, handeln Übersetzerinnen und Übersetzer wie auch Dolmetscherinnen und Dolmetscher nach dem Muttersprachenprinzip. Das bedeutet, dass wir eigentlich immer in unsere Muttersprache übersetzen. Nur in ganz seltenen Fällen entspricht die Übersetzungssprache nicht der Muttersprache. Dies zum Beispiel, wenn jemand seine Schule und Ausbildung in einer Fremdsprache absolviert hat und diese wesentlich besser beherrscht als seine Muttersprache. Übersetzt wird jedoch immer in die sogenannte A-Sprache, in der man sattelfest ist. Das ist so, weil man in einer Fremdsprache auch nach langjähriger Praxis kaum die gleiche idiomatische Ausdrucksweise erreichen kann. Achten Sie also bei der Wahl Ihrer Übersetzungspartnerin oder Ihres Übersetzungspartners darauf, ob er oder sie nach dem Muttersprachenprinzip handelt!

Übersetzungsinhalte

Die literarische Übersetzung ist die der Allgemeinheit bekannteste Form des Übersetzens. Viele Werke, die zuhause im Bücherregal stehen, sind Übersetzungen. Dieser Bereich macht allerdings einen geringen Anteil der gesamten Übersetzungsbranche aus. Den grössten Anteil auf dem Übersetzungsmarkt haben Gebrauchstexte, mit denen sich zudem deutlich mehr Einkommen erzielen lässt. Die Entscheidung, Literaturübersetzerin oder -Übersetzer zu werden, treffen somit auch nur solche Übersetzerinnen und Übersetzer, die sehr literaturbegeistert sind.

 

Alles klar? Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel etwas Licht ins Dunkel der Übersetzungswelt bringen konnten.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 
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3 von 3 Kommentaren

Serdar Mermey, Samstag, 13. Februar 2016 16:08

Es gibt aber auch den Fall, dass der Übersetzer seine schuliche und berufliche Ausbildung in beiden Laendern (Bspw. Türkei und Deutschland) absolviert hat und daher in beiden Sprachen fest auf dem Sattel sitzt.

 

Das Pferd kann dann der Übersetzer in beide Richtungen gut reiten!

 

Gruß aus der Türke

Serdar Mermey, Montag, 15. Februar 2016 10:10

Ich merke gerade heute:

 

Die Schrift für Kommentare erscheint so klein, daß der Fehler im Grußsatz nicht bemerkt wurde :))

 

"Gruß aus der Türkei"

 

Serdar Mermey

0176 90212541

Nicole Hunziker, Montag, 22. Februar 2016 14:38

Guten Tag

Wir bedanken uns herzlich für Ihren Kommentar.

Sie sprechen einen Fall an, den wir als eher unwahrscheinlich erachten. Eine Übersetzerin oder ein Übersetzer muss die Zielsprache absolut perfekt beherrschen, sie/er darf sich nicht leisten, dass ihr/sein Ausdruck fehlerhaft oder stilistisch nicht einwandfrei ist. Wir arbeiten mit Hunderten von Freelance-Übersetzerinnen und -übersetzern zusammen und kennen auf jeden Fall niemanden, der von sich behauptet, in zwei Zielsprachen absolut sattelfest zu sein. Wir bleiben deshalb bei unserer Meinung: Übersetzen heisst das Übertragen von der B- in die A-Sprache oder allenfalls von der C- oder D- in die A-Sprache. A-B-A oder A-C-A resp. A-D-A gibt es im professionellen Umfeld nicht.

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Serdar Mermey, Montag, 22. Februar 2016 16:04

Hallo,

 

"absolut sattelfest zu sein":

Es muss ja nicht absolut sattelfest sein, vielfach reichen schon 90-95 ½ aus!