Es blühen die Stilblüten
 Foto einer Blüte

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 10.11.2015

Im letzten Artikel befassten wir uns mit Metaphern. Falsch verwendet kann diese bilderreiche Sprache jedoch zu peinlichen Stilblüten führen.

Missglückte Metaphern

Unter Metaphern versteht man in der Sprachwissenschaft bildliche Ausdrücke und Wendungen, die für etwas wörtlich Gemeintes stehen. Diese Art des Redens und Schreibens kann sehr wirkungsvoll sein. Stimmen die Bilder aber nicht – ja, sind sie sogar völlig verkehrt und unsinnig kombiniert – führt das zu lustigen oder nicht selten auch peinlichen Stilblüten. Der Duden beschreibt das Phänomen der Stilblüten als „Äusserungen oder Formulierungen, die durch ungeschickte, falsche oder doppelsinnige Verknüpfung von Redeteilen ungewollt komisch wirken“.

 

Er kam wie der Blitz hereingeschneit.

 

Hier wurden zwei Redensarten miteinander verbunden und als falsche Metapher verwendet. Die Autorin oder der Autor wollte wohl ausdrücken, dass jemand unangemeldet, überraschend in einen Raum gekommen war. Auch die Redensart wie vom Blitz getroffen drückt aus, dass etwas völlig Unerwartetes passiert. In Kombination mit hereinschneien funktioniert sie jedoch nicht.

 

Er befindet sich auf dem sinkenden Ast.

 

Und der Ast? Treibt der im Wasser und sinkt demnächst? Kann schon sein, doch die Redensart lautet anders! Auch hier wurden zwei Redewendungen kombiniert, nämlich: sich auf dem sinkenden Schiff befinden und auf dem absteigenden Ast sein. Was mit dieser falsch kombinierten Metapher ausgedrückt werden möchte, ist jedoch klar: Etwas verändert sich kontinuierlich zum Schlechten. So ausgedrückt wie im Beispielsatz, wird aber der oder die Sprechende oder Schreibende kaum ernst genommen.

Falscher Satzbezug

Nicht nur falsch verwendete Metaphern führen zu Stilblüten. Auch wenn der Bezug zwischen zwei Sätzen nicht stimmt, führt das zu Äusserungen, bei denen man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen kann.

 

Karl half seiner Mutter mit der Wäsche und dann hat er sie hinaufgetragen und aufgehängt.

 

Natürlich hat der böse Karl nicht seine Mutter hinaufgetragen und aufgehängt, sondern die nasse Wäsche. Beim Lesen dieses Satzes kann man aber schon ins Straucheln geraten, da er aufgrund des unklaren Bezugs nicht eindeutig ist.

Falsch gedacht …

Auch grammatikalisch korrekte Sätze können Stilblüten enthalten. Es handelt sich um Stilblüten, die mit Grammatik nichts zu tun haben, sondern auf Denkfehlern beruhen.

 

Der Hund lag halb winselnd, halb knurrend, halb verängstigt auf der Fussmatte.

 

Selbst jene, die im Mathematikunterricht stets einen Fensterplatz innehatten, können sich wohl beim Lesen dieses Satzes ein Lachen nicht verkneifen. Anstelle von zwei mit dem Wort halb kombinierbaren Dingen werden drei aufgezählt, wobei die letzte Kombination leider nicht mehr funktioniert.

Idiomatische Ausdrücke

Bei der Verwendung von Idiomen ist besondere Vorsicht geboten, denn es handelt sich dabei um feste Wortverbindungen, an denen kaum zu rütteln ist. Man sagt etwas in einer bestimmten Sprache so – und nicht anders! Schnell passiert einem ein Verdreher und schon hat man ungewollt eine Stilblüte kreiert. So amüsieren wir uns zum Beispiel über folgende Sätze:

 

Dieser Text strotzt voller Fehler (Mischung aus vor Fehlern strotzen + voller Fehler sein).

Er übt einen schlechten Eindruck aus (Mischung aus einen schlechten Eindruck machen + einen schlechten Einfluss ausüben).
Das Medikament zieht meist schwere Nebenwirkungen mit sich.
(Mischung aus mit sich bringen + nach sich ziehen).

 

Seien Sie also weiterhin mutig beim Reden und Schreiben – aber lassen Sie gleichzeitig auch immer wieder Vorsicht walten, wenn Sie nicht ungewollt für Lacher sorgen wollen.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 

 
Loading

0 von 0 Kommentaren

Kommentar schreiben