Ähnliches Schriftbild – ähnliche Bedeutung?
 Bild von Dudeneintrag zu nutzen/nützen

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 25.01.2017

Ähnlich klingende Wörter = ähnliche oder sogar gleiche Bedeutung? Leider macht uns die Sprache manchmal einen dicken Strich durch die Rechnung.

Ähnlichkeit und unterschiedliche Bedeutung

Wie verwenden Sie die beiden Adverbien anscheinend und scheinbar? Wir können uns gut vorstellen, dass Sie sie als Synonyme brauchen. Beide kommen bei Ihnen zum Einsatz, um eine Vermutung zum Ausdruck zu bringen.

 

Sie ist heute anscheinend krank.

Sie ist heute scheinbar krank.

 

Aber Achtung: Anscheinend? Scheinbar? Der Schein trügt ... Sie sind in eine Falle geraten, die öfter zuschnappt als angenommen. Dann nämlich, wenn wir uns von der Ähnlichkeit des Schriftbilds zweier unterschiedlicher Wörter täuschen lassen. So haben scheinbar und anscheinend nämlich nicht die gleiche Bedeutung.

 

Sie ist heute anscheinend krank.

 

Es sieht so aus, als ob sie heute krank wäre. Vermutlich ist das auch so.

 

Sie ist heute scheinbar krank.

 

Scheinbar bedeutet, dass etwas dem Anschein nach so ist, die Wirklichkeit aber anders aussieht.

 

Synonyme für scheinbar wären beispielsweise die Wörter angeblich oder vermeintlich.

 

Sie ist heute angeblich krank.

 

Sie sagt, sie sei krank, die Kollegin hat sie jedoch gut gelaunt und bei bester Gesundheit beim Schwimmen angetroffen.

 

Die Baustelle war vermeintlich gesichert. Er stieg auf das Gerüst – und stürzte ab.

Klare Worte – oder Wörter?

Ein weiteres Beispiel einer sprachlichen Verwirrung entsteht aus dem Nomen Wort. Von Wort existieren zwei Pluralformen: Wörter und Worte. Diese beiden Plurale haben jedoch nicht die gleiche Bedeutung.

 

Wörter bedeutet mehrere Wörter als Einzelnes betrachtet, während Worte zusammengefasst eine Aussage ergeben.

 

Sie notierten alle Wörter, die ihnen zum Thema einfielen, auf einem Blatt – das Brainstorming sollte zur Ideenfindung beitragen.

 

In einem Fachwörterbuch findet man Wörter eines bestimmten Fachgebiets.

Aber:

 

Zum Abschied des Onkels fand der Pfarrer rührende Worte.

 

Er sagte ihr die Meinung – und äusserte klare Worte.

Ähnlichkeit und gleiche Bedeutung

Manchmal macht uns jedoch auch gerade das gegenteilige Phänomen Mühe: So gibt es Wörter, bei denen man von einem Bedeutungsunterschied ausgeht, obwohl sie den gleichen Sinn haben. Ein Beispiel dafür ist die Bedeutung von nutzen und nützen. Diese Wörter sind Synonyme, der Unterschied ist nur geografisch bedingt: In der Schweiz, in Süddeutschland und in Österreich wird eher die Form nützen verwendet, während sonst im deutschen Sprachgebrauch nutzen üblich ist.

 

Ich nutze diese Möglichkeit nie. Ich nütze diese Möglichkeit nie.

 

Die Bedeutung „Gebrauch machen von“ bleibt in beiden Beispielen gleich.

 

Man lässt sich also von der Ähnlichkeit des Schriftbilds zweier Wörter besser nicht täuschen und prüft in Zweifelsfällen Bedeutungen mittels eines Wörterbuches nach. Immer wieder hilfreich ist dabei die Duden-Website http://www.duden.de.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 
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