Schweizer hoch Deutsch = Schweizerhochdeutsch
 Foto von einem Duden zu Schweizer Hochdeutsch

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 05.05.2015

Die Rechnung geht auf, oder? Ein Plädoyer für unser Schweizerhochdeutsch.

 

Gehen wir nun ins Krankenhaus an der Feldstraße oder ins Spital an der Feldstrasse?

 

Was die korrekte hochdeutsche Sprache in der Schweiz anbelangt, kommt es immer öfter zu Uneinigkeiten. Während sich eine Mehrheit deutlich für alle schweizerischen Ausprägungen unserer Sprache und damit für ein Schweizerhochdeutsch ausspricht, hört man vermehrt auch Stimmen, die das vermeintliche Standardhochdeutsch aus Deutschland im schriftlichen und sogar auch im mündlichen Ausdruck bevorzugen.

Was ist Schweizerhochdeutsch

Das in der Schweiz verwendete Standarddeutsch nennt man Schweizerhochdeutsch. Es handelt sich um eine nationale Varietät, die sich durch zahlreiche Besonderheiten auszeichnet.

Helvetismen

Die erwähnten Besonderheiten, die das Schweizerhochdeutsch kennzeichnen, betreffen in erster Linie den Wortschatz. Sie werden als sogenannte Helvetismen bezeichnet.

 

Zur Veranschaulichung nennen wir gerne einige Beispiele – sicher kommen Ihnen die meisten sehr bekannt vor. Und womöglich haben Sie sich bei vielen noch gar nie überlegt, dass sie absolut typisch schweizerisch sind.

  • Abdankung (Trauerfeier)
  • Notfall (Notaufnahme)
  • Aufsteller (gute Nachricht)
  • Match (Spiel, Partie)
  • Grosskind (Enkelkind)
  • Auffahrt (Christi Himmelfahrt)

Geschriebenes Schweizerhochdeutsch

Generell wird Schweizerhochdeutsch für geschriebene Texte verwendet, die sich an ein Schweizer Zielpublikum richten. Viele Schweizer Autorinnen und Autoren bevorzugen das Schweizerhochdeutsch jedoch allgemein, unabhängig vom Zielpublikum. Es gibt aber mehr und mehr Hochschulen, die für den schriftlichen Ausdruck - selbst für ein Schweizer Zielpublikum - ein sogenanntes Standardhochdeutsch propagieren oder sogar vorschreiben.

 

Sollen wir uns also tatsächlich von den sprachlichen Ausprägungen der Schweiz verabschieden und uns dem sogenannten Standardhochdeutschen angleichen? Dürfen wir tatsächlich nicht mehr velofahren und jemandem den Vortritt lassen? Müssen wir mit dem Fahrrad unterwegs sein und anderen die Vorfahrt lassen?

 

Wir lehnen diese Haltung klar ab. Wichtig dabei ist uns das Argument, dass es eigentlich gar kein Standarddeutsch gibt. Jedes Deutsch ist im Prinzip eine Varietät. Uns irgendeinem Standard anzugleichen, hat also gar keinen Sinn, da es diesen nicht gibt. Dass ein „richtiges Hochdeutsch“ verwendet werden müsse – laut Nachforschungen entspricht es in den meisten Köpfen dem Norddeutschen – ist also ein Trugschluss. Warum sollte das Norddeutsche korrekter sein als beispielsweise das Süddeutsche? Und was geschähe dann mit dem Österreichischen? All jene Varietäten können auf der genau gleichen Ebene wie das Schweizerhochdeutsch angesiedelt werden.

 

Unserer Meinung nach ist es also oft pure Unwissenheit, die dazu führt, dass schweizerhochdeutsche Wendungen als salopp oder sogar umgangssprachlich taxiert werden. Helvetismen werden als minderwertig und unwissenschaftlich betrachtet, was schlicht und einfach nicht stimmt. Solange sie verständlich sind, sind regionale Varietäten Teil unseres vielschichtigen Sprachennetzes. In unserem Unternehmen gehen wir sogar noch einen Schritt weiter und vertreten die Meinung, dass Texte an ein Schweizer Zielpublikum Schweizerhochdeutsch geschrieben sein müssen. Wir bekennen uns damit zu unserer Identität und tragen zur Erhaltung eines sprachlichen Erbes bei, das durchaus seine Wichtigkeit hat.

 

Laufen Sie also ruhig mit dem Natel im alten Plastiksack und im Trainer durchs Quartier. Wenn Sie es in der Realität nicht wagen – schreiben dürfen Sie es immer. Denn hier in der Schweiz wäre es höchstens verboten, mit dem Handy in der alten Tüte im Trainingsanzug durch das Stadtviertel zu laufen.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 

 
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