Gedanken zum Satz, Wort und Unwort des Jahres
 Foto der gezeichneten Wörter Wort, Unwort, Satz, 2016

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 21.11.2016

Sie steht vor der Tür: Die Wahl des Wortes des Jahres 2016. Und wieder sind wir gespannt, welche Elemente unseres Vokabulars in die Ränge kommen.

 

Seien wir ehrlich: Es gibt gehaltvollere Wahlen als jene des Wortes, Unwortes oder des Satzes eines Jahres. Und dennoch stösst die erwähnte Abstimmung immer wieder auf grosses Interesse. Sicher vor allem deshalb, weil sie letzten Endes allgemeine Empfindungen der Bevölkerung widerspiegelt oder zeigt, welche Thematiken die Gemüter im vergangenen Jahr am meisten erhitzten.

 

Wort des Jahres

In der Tat reflektieren gerade Wort und Satz des Jahres in der Regel Themen, die in den vergangenen zwölf Monaten omnipräsent waren. Die Chronik der Schweizer Wörter des Jahres zum Beispiel lässt uns eintauchen in Fragen, die bestimmte Jahre extrem prägten. So standen das Wort „Minarettverbot“ für das Jahr 2009, der Begriff „Ausschaffung“ für 2010 oder das „Rauchverbot“ für das Jahr 2006. Erläuterungen erübrigen sich. 

 

Satz des Jahres

Auch die Sätze des Jahres erinnern in der Regel an Themen, die in vergangenen Jahren Wellen schlugen: „Das Leben ist kein Bonihof“ zum Beispiel lässt uns zurückblicken auf die hitzigen Debatten rund um die Gehälter in der Chefetage im Jahr 2011. Der „Bonihof“ zeigt zudem auch, dass es sich bei den Wahlsiegern nicht nur um Erinnerungen an omnipräsente Thematiken handelt, sondern in der Regel gleichzeitig um Aussagen mit speziellem Charakter – witzig, pointiert, ironiegeladen … So greift der Ausspruch von Granit Xhaka aus dem Jahr 2009 nicht nur die Ausländerthematik auf, sondern besticht auch aufgrund seines Widerspruchs: „Ich bin nicht gut integriert in der Schweiz – ich bin Schweizer!“

Die Kriterien „Aufgreifen eines prägenden Themas“ und „besonderer Charakter“ erfüllte auch der Satz des Jahres 2003 von Franz Hohler, den der Kabarettist im Vorfeld der Bundesratswahlen in einer Kolumne äusserte: „Wählt Blocher, er hat diese Strafe verdient.“ 

 

Sonderbare Wahlsieger

Zuoberst auf dem Podest standen jedoch auch schon Wörter oder Sätze, die keinem der erwähnten Kriterien entsprachen. Es handelte sich um Elemente aus unserem Vokabular, die einfach einschlugen wie eine Bombe. Die Reaktion des Bundespräsidenten Ueli Maurer auf einen Kameramann, der ihn im Bundeshaus bedrängte, war so ein Beispiel: „Aff!“. Die simplen drei Buchstaben wurden zum Wort des Jahres 2013. In dasselbe Kapitel gehen wohl „Freude herrscht“ von Adolf Ogi oder Anita Weyermanns „Gring ache u seckle“.

Ob dieses Jahr relativ inhaltslose Volltreffer oder aber eher themenbezogene Begriffe oder Sätze das Rennen machen, wird sich schon bald zeigen. Wir sind gespannt!

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 

 
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