Fremdwörter – Segen oder Plage?
 Foto von den Fremdwörtern Habitus, sukzessive und lukrativ

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 12.01.2015

Sind Sie sich der Wirkung von Fremdwörtern bewusst und wissen Sie, wie man sie beim Schreiben richtig und gezielt einsetzt?

Unter Einsatz immenser, jedoch bis zum Moment der Aktualisierung des Impulses latenter Energien, löste sich die amphibielle Kreatur von ihrem habituellen Standpunkt und verschwand, einer in erster Näherung parabolischer Bahnkurve folgend, in den mehr oder minder transparenten Räumen ihrer Existenz.

 

Alles klar? Oder doch nicht?

 

Bevor Sie jetzt an Ihrer Bildung zweifeln, zum Fremdwörterbuch greifen, fluchen oder sogar resignieren, liefern wir Ihnen gerne eine etwas einfachere Version:

Der Frosch sprang ins Wasser.

Unser Beispiel verdeutlicht, dass wir uns der Wirkung von Fremdwörtern unbedingt bewusst sein und letztere auch dementsprechend gezielt verwenden müssen.

Definition

Zuallererst müssen wir uns jedoch einig sein, was ein Fremdwort überhaupt ist. Viele von uns verwechseln Fremdwörter mit sogenannten Lehnwörtern. Letztere sind aus einer fremden Sprache übernommene Wörter, die sich der Zielsprache angepasst haben.

 

Beispiele von Lehnwörtern und ihrer Ursprungssprache:

  • Camping (englisch)
  • multiplizieren (lateinisch)
  • Atelier (französisch)
  • Sauna (finnisch)
  • Algebra (arabisch)

Lehnwörter sind so gut eingebürgert, dass ihre Verwendung in der Regel unproblematisch ist, sofern man sie moderat einsetzt und sich immer wieder die Frage stellt, ob allenfalls ein geläufigeres Wort Gleiches aussagt.

 

Fremdwörter hingegen sind aus einer fremden Sprache übernommene Wörter, die in der Zielsprache viel weniger integriert sind. Sie wirken hinsichtlich verschiedener Aspekte wie Betonung, Wortbildung oder Schreibung tatsächlich fremd. 

 

Beispiele von Fremdwörtern:

 

sukzessive (allmählich, nach und nach)

retrospektiv (rückblickend)

Oktagon (Achteck)

exaltiert (künstlich aufgeregt, hysterisch)

Habitus (Gesamterscheinungsbild einer Person, Auftreten, Haltung)

 

Klare Gegner von Fremdwörtern finden, die Verwendung derselben sei rein elitäres Gehabe. Man versuche, sich mit vorgegaukeltem Scheinwissen von der Masse abzuheben und verpacke oft Leere in Worthülsen, die lediglich interessant tönten, in Wirklichkeit aber nur Verwirrung stifteten. Diese Haltung ist extrem, denn wir müssen trotz allem bedenken, dass laut Statistiken rund ein Drittel unseres Wortschatzes aus Lehn- bzw. Fremdwörtern besteht und dass letztere vor allem in Fachsprachen unverzichtbar sind.

Tipps

Dennoch gilt es im Umgang mit Fremdwörtern einige Regeln zu beachten:

  1. Bestimmen Sie im Vorfeld, an wen sich Ihr Text richtet. Fremdwörter sind grösstenteils Fachwörter und dementsprechend nur für Spezialisten bestimmt.
  2. Vermeiden Sie jedoch auch in Fachtexten eine Häufung von Fremdwörtern.
  3. Ziehen Sie im alltäglichen Sprachgebrauch wenn immer möglich die deutsche Variante vor. Sprechen Sie also mit Laien eher von wesentlich anstatt von substanziell oder von einer Lese- und Schreibschwäche anstatt von Illettrismus.
  4. Fremdwörter sind oft Substantive. Da Texte mit vielen Substantiven jedoch schwerfällig wirken, wählen Sie – falls das Fremdwort unabdingbar ist – ein passendes Verb:

Zwecks Immigration meldete er sich auf dem Amt an.

Besser: Er meldete sich auf dem Amt an, weil er immigrieren wollte.

Für Laien noch besser: Er meldete sich auf dem Amt an, weil er einwandern wollte.

Schreibung

Was die Schreibweise von Fremd- oder Lehnwörtern in der deutschen Sprache angeht, ist die deutsche Haltung immer noch eher vorsichtig. Die Orthografie von Fremd- oder Lehnwörtern wird nämlich nicht unbedingt der deutschen Rechtschreibung angepasst. Seit der Rechtschreibereform gibt es einige verstärkte Tendenzen zur Eindeutschung (zum Beispiel f statt ph oder t statt th), es gilt aber immer noch die fakultative Anwendung der neuen Regeln.  

 

Auch hierzu einige Beispiele:

  • Majonäse oder Mayonnaise
  • Fotosynthese oder Photosynthese
  • Ketschup oder Ketchup
  • Nugat oder Nougat
  • Getto oder Ghetto

Auch für Fremdwörter gilt bei Zweifeln in Sachen Rechtschreibung und bei Verständnisschwierigkeiten der DUDEN als Referenzwerk.

 

Unter www.duden.de können Sie den gesuchten Begriff eingeben.

Das Online-Tool liefert umfangreiche Erläuterungen zum Suchbegriff.

 

Seien Sie also achtsam im Umgang mit Fremdwörtern – denn nur richtig eingesetzt bleiben sie auch wirklich hilfreich.

 

Wie immer freuen wir uns auf Feedback!

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 

 
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