Von Steinen im Garten und anderen Redewendungen
 Foto eines Steins auf einer grünen Rasenfläche

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 07.04.2015

Wollte Ihnen auch schon mal jemand einen Stein in den Garten werfen? Wir machen uns einige Gedanken zu Redewendungen der deutschen Sprache.

 

Aus welchem Grund man heutzutage sagt, man werde jemandem einen Stein in den Garten werfen, ist wohl den meisten bekannt: Mit dieser Aktion möchte man sich bei einer Person für etwas bedanken und dieser gleichzeitig eine Gegenleistung versprechen. Doch wo liegt der Zusammenhang zwischen Steine werfen und sich revanchieren? Und gibt es überhaupt einen Zusammenhang?

 

Über den Ursprung der erwähnten Redewendung ist nicht viel bekannt. Interessant ist aber, dass sich ihre Bedeutung im Laufe der Zeit verändert hat. Denn ursprünglich warf man jemandem einen Stein in den Garten, wenn dieser gegen Dorfgesetze verstiess. Diese Bedeutung ergibt eigentlich mehr Sinn als die heutige, denn Steine werfen kann bekanntlich auch zu Schäden führen. Ausserdem ist es eine mühselige Arbeit, die Steine wieder aus dem Garten zu entfernen, wenn man die Lebensdauer des Rasenmähers nicht drastisch verkürzen möchte. Heute aber werden die Steine im Garten als positiv verstanden: Mit der Zeit dachte man nämlich, mit einem über den Zaun geworfenen Stein dem Nachbarn beim Hausbau behilflich zu sein. Man wollte also dem Gegenüber durchaus einen Gefallen tun.

 

Bleiben wir doch bei den Steinen: Die erwähnte Redewendung ist nicht die einzige, die Steine zum Thema hat: Wir finden weitere logische Redensarten wie „in Stein gemeisselt sein“, was bedeutet, dass etwas feststeht und nicht daran zu rütteln ist, oder den „Tropfen auf dem heissen Stein“, der bedeutet, dass etwas keine Wirkung hat. Aber im Zusammenhang mit Steinen tauchen auch weniger logische Redewendungen auf, die einem die eine oder andere Falte auf die Stirn treiben können. Oder haben Sie eine Idee, wieso man zu sagen pflegt, dass man bei jemandem einen Stein im Brett hat, wenn man dieser Person sehr sympathisch ist? Auch wir mussten zur Herkunft dieser Redewendung Forschung betreiben. Sie geht auch aufs Mittelalter zurück, und zwar auf ein Brettspiel, bei dem man grosse Gewinnchancen hatte, wenn man seine Steine gut auf dem Brett platzierte.

 

Übrigens: Redewendungen sind eine besonders grosse Herausforderung für Übersetzerinnen und Übersetzer, denn entweder existieren sie gar nicht in jeder Sprache, oder aber sie sind in zwei Sprachen vollkommen unterschiedlich. Redewendungen können also selten eins zu eins übernommen werden, was bei den Übersetzerinnen und Übersetzern besonders viel Kreativität fordert!

 

Kennen Sie Redewendungen, deren ursprüngliche Bedeutung Ihnen ein Rätsel ist? Oder haben Sie eine interessante Erklärung für eine Redensart? Diskutieren Sie mittels Kommentarfeld mit!

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 

 
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3 von 3 Kommentaren

Marianne Fardel, Dienstag, 7. April 2015 12:56

Danke den - Bloggerinnen - , häufig habe ich diese Redewendungen gebraucht, ohne deren Ursprung zu kennen oder mir darüber Gedanken gemacht. Euren Blog werde ich gerne wieder besuchen.

Marianne Fardel

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sabi, Montag, 31. Oktober 2016 08:51

Sehr interessant! LG aus der Rhetorik

Remo, Dienstag, 3. Januar 2017 16:13

Also ich hab immer wieder die Erfahrung machen müssen, wenn mir jemand in der Schweiz mit "Werf Dir dann auch mal einen Stein in den Garten", da� das immer Leute waren, die einen über den Tisch ziehen wollten bzw. ohne Gegenleistung einfach etwas auf lau haben wollten.

 

Anstatt einfach zu fragen: "Würdest Du mir das schenken?" kommt die Schiene mit dem ominösen Stein im Garten.

 

Ich hab das inzwischen richtig satt. Kurz vor Jahresende rief mich jemand an und wollte, da� ich ihm gratis (gegen einen "Stein im Garten werfen" irgendwann in der Zukunft mal) eine Domäne übertrage im Wert von 5.000 bis 10.000 Franken.

 

Und als ich ihn frug, was er denn mit der Domäne wolle, zu der sein Geschäft (er ist Bauer) überhaupt keinen Bezug hat, kam ein Herumgedruckse, er wolle jemandem "einen Stein in den Garten werfen".

 

Alle Nachfragen, wer das denn sein solle und warum er da jemandem angeblich gratis die Domäne dann weiterschenken wollte, da bi� ich auf Granit.

 

Ich bin daher inzwischen gegen diese Formulierung allergisch. Weil sie immer kommt bei unredlichen Geschäften bzw. wenn jemand etwas gratis haben möchte ohne Gegenleistung / Bezahlung für das er eigentlich genau wei�, da� er was zahlen mü�te.

 

 

Myriam Cavegn, Mittwoch, 4. Januar 2017 09:18

Guten Tag

 

Vielen Dank für Ihren interessanten Kommentar. Schade, dass Sie mit dieser Redewendung bisher schlechte Erfahrungen gemacht haben. Normalerweise wird damit nicht eine spätere Bezahlung für eine Dienstleistung oder ein Produkt versprochen. Man möchte sich damit eher bedanken und einen späteren Gefallen (nicht Bezahlung) ankünden. Hoffentlich werden Sie künftig nicht mehr mit solchen Partnern arbeiten müssen, die leere Versprechungen machen.

 

Liebe Grüsse und alles Gute

Myriam Cavegn