Redewendungen: Haben Sie von Tuten und Blasen immer noch keine Ahnung?
 Foto Wörterbuch Redensarten

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 14.04.2015

Gerne nehmen wir in diesem Fall das Thema Redewendungen erneut auf – schliesslich ist es sowieso unerschöpflich.


Die Entstehung von Redewendungen

Sprache ist lebendig und kreativ, deswegen entstehen auch immer wieder neue Redewendungen. Diese festen Wortverbindungen drehen sich fast immer um konkrete Bilder oder Gegebenheiten, die in ihrer neuen Form verwendet werden, um einen Sachverhalt zu untermauern oder besser zu erläutern.

 

Beispiel: „Die Botschaft war geschlossen. Ich stand da wie der Ochse am Berg.“

 

Das Bild des Ochsen vor dem Berg unterstreicht hier die momentane Unlösbarkeit einer Aufgabe. Wir verbinden den Ochsen vor dem unüberwindbaren Hindernis mit der Hürde der geschlossenen Botschaft und können uns die Problematik noch besser vorstellen.

 

Werden die neu geschaffenen Phrasen wie jene des Ochsen am Berg zu fixen Bestandteilen einer Sprache, nennen wir sie Redewendungen.

 

Der Ursprung von Redewendungen geht übrigens oft weit in die Vergangenheit zurück. Der Ausdruck „von Tuten und Blasen keine Ahnung haben“ aus unserem Titel zum Beispiel stammt aus dem späteren Mittelalter. In dieser Zeit gab es Nachtwächter, die die Städte kontrollierten und bei Gefahr ins Horn stiessen. Nachtwache war keine angesehene Arbeit. Die einzige Kompetenz des Nachtwächters bestand nämlich aus „Tuten und Blasen“, und somit wurde jemand, der nicht einmal für diesen Beruf geeignet war, als völlig untauglich eingestuft. Inkompetente Personen haben deshalb heutzutage „von Tuten und Blasen keine Ahnung“.

 

Redewendung versus Sprichwort

Wichtig ist der Unterschied zwischen Redewendungen und Sprichwörtern. Bei einem Sprichwort handelt es sich in der Regel um einen ganzen Satz, der meist eine Lebenserfahrung wiedergibt.

 

Beispiel: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“

 

Die Redewendung hingegen ist eine feste Verbindung von Wörtern, deren einzelne Bestandteile schlecht oder gar nicht ausgetauscht werden können.

Beispiel: „Ins Fettnäpfchen (Bestandteil 1) treten (Bestandteil 2)“.

 

Tiere, Farben und andere Quellen für Redewendungen

Haben Sie schon bemerkt, dass gewisse Themen zu Redewendungen geradezu einladen? So bietet beispielsweise das Tierreich für Redensarten schier endlose Kreationsmöglichkeiten. Schauen Sie sich nur mal an, was das Pferd alles für Redewendungen um sich schart:

  • auf dem hohen Ross sitzen
  • aufs falsche/richtige Pferd setzen
  • das beste Pferd im Stall sein
  • die Pferde scheu machen
  • ich glaub, mich tritt ein Pferd
  • immer sachte mit den jungen Pferden
  • man hat schon Pferde kotzen sehen
  • mit jemandem Pferde stehlen können
  • sich aufs hohe Ross setzen
  • von seinem hohen Ross herunterkommen

Eine ähnliche Quelle für Redewendungen ist unsere Farbpalette: Wir sehen rot, sind Schwarzfahrer, bekommen den blauen Brief, haben einen grünen Daumen, oder sind weiss wie eine Wand. Die Liste könnte hier beliebig erweitert werden.

 

In unserem letzten Blog zum Thema haben wir bereits auf die Übersetzungsschwierigkeiten im Rahmen von Redewendungen hingewiesen: All die Phrasen in unserer Sprache zu verstehen, ist an sich bereits eine grosse Herausforderung. Wehe aber, sie müssen noch zusätzlich in eine Fremdsprache übertragen werden …

 

So beschreiben wir zum Beispiel Heiserkeit auf Deutsch mit „einen Frosch im Hals haben“. Heisere Deutschschweizer hingegen haben „eine Kröte (e Chrott) im Hals“, während sich Französischsprachige Heisere mit „einer Katze im Hals“ herumschlagen („avoir un chat dans la gorge“). Weiter sprechen wir im Deutschen vom Elefanten im Porzellanladen, während die Engländer sich hingegen wie Bullen im Porzellanladen verhalten („like a bull in a china shop“).

 

Ein anderes Beispiel: Wenn wir im französischen Sprachraum einen Aussetzer haben, verbinden wir das mit weisser Farbe. „Nous avons un blanc“, wir sehen also sozusagen weiss. Im Deutschen jedoch haben wir ein Blackout, für uns steht also die schwarze Farbe im Vordergrund. Erwähnenswert bleibt hierzu, dass es sich bei „Blackout“ um ein Wort aus dem englischen Sprachraum (Anglizismus) handelt – womit die Verwirrung komplett wird. Und stiften wir noch ein bisschen mehr Verwirrung, diesmal im Farbkasten: Im deutschen Sprachraum wird man grün, gelb oder blass vor Neid. Englischsprachige hingegen würden sich wohl totlachen, wenn man sie „yellow with envy“ (gelb vor Neid) werden liesse. Sie werden immer nur grün vor Neid.

 

Sicher können Sie anhand dieser Beispiele verstehen, warum Übersetzerinnen und Übersetzer bei Redewendungen oft an ihre Grenzen stossen. Wörtliche Übersetzungen von Redensarten existieren nur selten, manchmal finden wir Entsprechungen, die in Teilen funktionieren. Nicht selten aber sind die Entsprechungen völlig anders oder aber es gibt gar keine. Die richtige Lösung zu finden, ist oft eine echte Knacknuss!

 

Gerne nehmen wir Ihre Meinung zu diesem Blog mittels Kommentarfeld entgegen.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 
Loading

0 von 0 Kommentaren

Kommentar schreiben