Säcke statt Türen – eine weitere interessante Redewendung
 Foto einer alten Türe

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 23.10.2015

Haben Sie zuhause Säcke vor den Türen? Gerne liefern wir einige Erklärungen zu einer alltäglichen Redewendung, deren Herkunft nicht eindeutig ist.

 

Bestimmt sind Sie auch schon einmal gefragt worden, ob Sie eigentlich Säcke vor den Türen hätten, wenn Sie nach dem Betreten oder Verlassen eines Raumes die Tür hinter sich nicht schlossen. Oder verwenden Sie diese Redewendung oft sogar selber? Was damit gemeint ist, ist klar: Man will jemanden dazu auffordern, eine Tür hinter sich zu schliessen, da es sonst zieht.

Doch was haben Säcke mit offenen Türen und Durchzug zu tun? Wir sind dieser Redewendung auf den Grund gegangen.

Herkunft

Im Internet stösst man auf verschiedene Erklärungen zur Herkunft der erwähnten Redewendung. Eine Auslegung ist zum Beispiel diejenige, dass im 19. Jahrhundert in Villen Säcke aus wertvollem Material (z. B. Samt) von den Zimmerdecken hingen. Diese hatten die Aufgabe, Durchzug zu verhindern. Nachdem eine Person die Säcke passiert hatte, schlossen sie sich von alleine wieder. Weiter existiert die Theorie, dass in den Stellungskriegen, während denen Soldaten in Schanzanlagen wohnten, Sandsäcke als Abwehr von Kugeln dienten sowie Wasser und Wind abhalten sollten. Ein anderer Deutungsversuch ist jener, dass früher auf Bauernhöfen, wo die Türen aus einfachen Bretterverschlägen bestanden, Säcke als Windabweiser aufgehängt wurden. Diese waren jedoch nicht so edel wie diejenigen, die den Villen-Durchzug abhielten.

So einfach …

… lässt sich diese Redewendung also auf verschiedene Arten aufschlüsseln. Spannend bleibt, dass im Rahmen von Redewendungen selten jemand nach Erklärungen sucht. Wir sind uns in diesem Beispiel nämlich ziemlich sicher, dass die Mehrheit, die es hin und wieder verwendet, absolut nicht weiss, was das mit den Säcken vor den Türen überhaupt auf sich hat. Oft übernimmt man nämlich Redensarten, die die Eltern oder Grosseltern häufig verwenden, ohne diese überhaupt zu hinterfragen. Sie werden einem sozusagen in die Wiege gelegt. Schade eigentlich, dass man sich nicht mehr Gedanken macht – man könnte sein Allgemeinwissen sicher merklich erweitern.

Blick über die deutsche Sprachgrenze hinaus

Die sinngemässe englische Entsprechung unserer Redewendung lautet: Were you born/raised in a barn? Wörtlich übersetzt: Bist du eigentlich in einer Scheune geboren worden/aufgewachsen? Neben der Verwendung bei offen gelassenen Türen kommt diese Redewendung im Englischen auch öfters im Zusammenhang mit rüpelhaften, unhöflichen Personen zur Anwendung. Gemeint ist dann: Wo hast du denn deine Kinderstube gelassen? Man fragt also nach den fehlenden Manieren. Bleibt man in der französischsprachigen Schweiz, formuliert man ähnlich wie im Englischen: Tu as été élevé dans une grotte? Oder viel unkomplizierter: Et les portes, ça se ferme?

 

In diesem Sinne: Tür zu! Shut the door! Fermez la porte! Danke. :-)

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 

 
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