„Chunsch druus?“ – oder die Ankunft einer Deutschen in der Schweiz
 Foto des Einbands des Lehrbuchs "Chunsch druus?"

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 30.05.2018

„Chunsch druus?“ fragt man laut dem oben abgebildeten Buch, wenn man wissen will, ob etwas klar verstanden worden ist – etwa so wie „Verstehst du’s?“

 

 

Hier plaudert zum zweiten Mal eine deutsche Übersetzerin aus dem Nähkästchen. Und diesmal versteht sich der Text tatsächlich als eine kleine Anekdote über das Leben als Deutsche in der Schweiz. Dann wollen wir mal Butter bei die Fische geben und ein paar Beispiele schildern.

 

Die Sprachregionen

Die deutsche Übersetzerin hatte sich als Wahlheimat zunächst Genf ausgesucht. Und wie es in Deutschland oft der Fall ist, ist man mit dem unmittelbar angrenzenden Nachbarland vielleicht ein wenig besser vertraut, im Fall unserer Erzählerin den Niederlanden, weiss jedoch umso weniger über die anderen Anrainerstaaten, in diesem Fall die Schweiz. Umso angenehmer empfand sie es, dass sie sich in einem hübschen Städtchen am See wiederfand und dass es solcher hübschen Städtchen am See in diesem Land viele gibt. Zudem konnte sie sich häufig in der Bewunderung der französischsprachigen Westschweizer sonnen, sie beherrsche die schwere deutsche Sprache. Hingegen musste die Erzählerin feststellen, dass das, was sie auf der anderen Seite der Sprachgrenze – auch Röstigraben genannt – hörte, mit der von ihr gesprochenen Sprache wenig zu tun hatte. Oft meint man nämlich in Deutschland, zumindest wenn man weiter von der Schweizer Grenze entfernt lebt, dass Schweizerdeutsch eigentlich nur Hochdeutsch mit Schweizer Akzent sei… Und so machte sie bei Reisen in die Deutschschweiz die Erfahrung, dass man mit maschinengewehrschnell gesprochenem Hochdeutsch ungewollt Angst und Schrecken verbreitet und Sätze wie „Ich krieg‘ ein Brötchen“ auf einmal nicht mehr höflich wirken.

 

Von Kanton zu Kanton verschieden

Die deutsche Übersetzerin machte auch die Erfahrung, dass der Föderalismus in diesem Land ein wenig stärker ausgeprägt ist als in Deutschland. Ein Umzug in einen anderen Kanton erschien ihr wie ein Wechsel in eine andere Welt. Unbedarft hatte sie vermutet, sie dürfe vielleicht ihren Ausländerausweis behalten, enthält er doch in jedem Kanton die gleichen Informationen. Aber man erklärte ihr, dass man ja wohl kein von Genf ausgefertigtes Dokument akzeptieren könne – und stellte ihr einen abgesehen vom Namen des ausstellenden Amtes exakt identischen neuen Ausweis aus. Nach dieser ersten genommenen Hürde entdeckte die Erzählerin, dass das Leben im neuen Kanton wie ein Spiegel wirkte, vor dessen Hintergrund sie die Besonderheiten des alten Kantons besser erfassen konnte. Fazit: Je mehr Kantone man kennt, desto besser versteht man Land und Leute.

 

Kommunikation – „Chunsch druus?“

Die deutsche Übersetzerin machte zudem die Erfahrung, dass sie bestimmte Verhaltensnormen kennen musste, um erfolgreich zu kommunizieren – und dass sie auch in diesem Fall das in der Westschweiz Gelernte nicht einfach über den Röstigraben hinweg mitnehmen konnte. Hier bot ihr der neue Heimatkanton eine Lösung: „Chunsch druus?“, ein sprachliches und landeskundliches Übungsbuch. So lernte sie, dass selbst Telefongespräche in der Deutschschweiz anderen Regeln folgen als in Deutschland: Mit der Tür ins Haus zu fallen wird nicht etwa als Zeichen von Effizienz angesehen, sondern als empfindliche Störung des Gesprächsablaufs.

 

Das Plädoyer aus dem Nähkästchen lautet also: Lassen Sie sich entlang der Sprachgrenze nieder, und Sie werden nicht nur die Besonderheiten des Landes besser verstehen, sondern können vielleicht wie unsere Erzählerin sogar ein Praktikum bei GLOBAL TRANSLATIONS machen – hübsches Städtchen am See inklusive.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Jennifer Smolka, Lektorin: Myriam Cavegn

 

 

 
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