Rechtschreibung: Muss oder Frust?
 Foto von Schildern mit der Aufschrift Herzlich Willkommen

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 24.11.2014

Gut schreiben sollen wir... Doch müssen wir gerade in Sachen Rechtschreibung so streng sein? Einige Gedanken.

Herzlich Willkommen, liebe Rechtschreibung

Herzlich Willkommen… Dieser Rechtschreibefehler scheint weltberühmt zu sein. Dauernd bin ich in der vergangenen Zeit dem grossen W-Monster in „Willkommen“ begegnet. Und dies nicht nur auf handgeschriebenen Gastrotafeln vor Restaurants, sondern in zahlreichen Broschüren, in Museen, Hotels, auf Flyern, in Prospekten und – als Highlight – während meiner Ferien sogar auf einem teuren, bronzefarbenen Schild am Eingang eines kleinen Schlosses. Mein Schlossrundgang war in sprachlicher Hinsicht im Eimer, bevor er überhaupt begonnen hatte!

 

Warum um Himmels Willen konnte nicht einmal in diesem doch schon fast luxuriösen Kontext ein solch fürchterlicher Fehler vermieden werden? Welche schrecklichen Laien steckten hinter der ganzen Schlossdokumentation?

 

Perspektivenwechsel und einige kritische Fragen: Kann man das Wort „Laie“ verwenden, wenn Rechtschreibefehler im Spiel sind? Und ist das berühmte „herzlich Willkommen“ tatsächlich so fürchterlich? Kernfrage: Wie wichtig ist unsere Rechtschreibung überhaupt?

 

Als sogenannte Sprachprofis haben wir ein geschultes Auge für alles, was in Sachen Rechtschreibung nicht der Norm entspricht. Zu präzisieren gilt, dass der DUDEN die Norm vorgibt und dass letzterer alles, aber auch wirklich alles, in irgendeiner Form regelt. Wir Spezialistinnen und Spezialisten unterhalten uns deshalb nicht selten sogar über Dinge wie Leerschläge vor und nach Schrägstrichen, die für ein anderes Zielpublikum wohl absolute Banalitäten wären. Es ist somit nachvollziehbar, dass uns ein „herzlich Willkommen“ den Schlossbesuch verderben kann und uns die feinen Pizza's wegen des Apostrophs im Hals stecken bleiben.

 

Wäre das Argument, alles viel grosszügiger zu betrachten und die simple Verständlichkeit eines Textes in den Vordergrund zu stellen, jedoch nicht genauso valabel? Und würden wir damit nicht eine Mehrheit unserer Erdbevölkerung glücklich oder sogar überglücklich machen? Warum tun wir uns den Kampf mit der Rechtschreibung also an? Warum lassen wir unsere Kinder während ihrer obligatorischen Schulzeit einen veritablen Diktatmarathon durchlaufen? Warum verderben wir uns die Lust am Schreiben mit all unseren Regeln?

 

Zwei Argumente machen für uns Sprachexpertinnen und -experten die erwähnten kritischen Fragen unnötig:

  1. Unser Alphabet bietet nicht für alle Laute einen Buchstaben. Mittels besonderer Regeln schaffen wir also den nötigen Unterschied zwischen Wörtern, zum Beispiel jenen zwischen „hasse“ und „Hase“ oder „Schaf“ und „schaff!“.
  2. Weiter erleichtert uns eine einheitliche Rechtschreibung das Lesen, da wir während des Lesevorgangs immer auf gespeicherte Schriftbilder zurückgreifen.

 

Trotzdem: Müssen wir so strikt sein? Die Pizza’s beinhalten doch gar keinen speziellen Laut, und der Apostroph verwirrt unser Gehirn auch nicht sonderlich, da das gespeicherte Bild der „Pizzas“ ja fast dasselbe ist.

 

Dennoch müssen wir streng sein. Denn wo ziehen wir sonst die Grenzen? Wann handelt es sich um eine minimale Ungereimtheit wie jene bei „Pizza’s“ und wann um einen Fehler, den man nicht mehr tolerieren kann. Oder sollen wir zum Beispiel „ich hase diese Rechtschreibung“ gelten lassen?

 

Was wäre akzeptabel, was nicht? Und würde nicht nach und nach alles anfänglich Inakzeptable auch akzeptabel werden?

 

Ein Regelwerk kann uns das Leben also durchaus auch erleichtern. Wir können uns an einem Leitfaden orientieren, der eigentlich keine Frage offen lässt. Der Leitfaden kann zwar ganz schön anstrengend sein, aber letzten Endes schafft er Klarheit in einer Sache, die in unseren Augen Klarheit verdient.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

P.S. Eine interessante Website zum Thema: http://www.korrekturen.de/beliebte_fehler/l/

 

 

 

 
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