Rechtschreibreform
 Foto von Beispielen der früheren und der neuen Rechtschreibung

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 27.01.2016

Mit der Rechtschreibreform wurde vor 20 Jahren der Grundstein für eine amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung gesetzt.

 

Im letzten Artikel schwärmten wir vom Duden – unserem Lieblingsnachschlagewerk bei sprachlichen Unsicherheiten und Zweifelsfällen, unserem täglichen Begleiter bei der Arbeit. Der Duden galt in Deutschland, Österreich und in der Schweiz über lange Jahre hinweg als amtliche Referenz, bis 2006 ein neues Regelwerk, das sogenannte „amtliche Regelwerk“ eingeführt wurde.

 

Die Rechtschreibreform von 1996 leitete die erste grosse Veränderung des orthografischen Systems seit 1901 ein. Die Reform endete in gewisser Hinsicht erst 2006, mit der Herausgabe des amtlichen Regelwerks, das den Duden als offizielles Referenzwerk vom Thron schubste. Natürlich übernahm jedoch auch der Duden in seiner Neuauflage die neuen Regeln, womit er sich seine Position als Nachschlagewerk Nr. 1 problemlos sicherte.

 

Das Ziel der Rechtschreibreform und des 2006 eingeführten amtlichen Regelwerks war es, mehr Systematik in die Rechtschreibregeln zu bringen und diese so besser lehr- und lernbar zu machen. Mit der Neuregelung der Rechtschreibung wurde das Schreiben in gewissen Bereichen vereinfacht, ohne jedoch das vertraute Schriftbild zu verändern.

 

Kein Wegfall von Buchstaben bei Komposita

Eine grosse Veränderung bedeutete unter anderem die Regel, dass bei Komposita – also bei zusammengesetzten Wörtern – keine Buchstaben mehr weggelassen werden, wenn drei gleiche Buchstaben aufeinandertreffen. Aus der „Schiffahrt“ wurde somit die „Schifffahrt“, aus der „Kaffeernte“ die „Kaffeeernte“, oder auch das Wort „schnellebig“ bekam wieder einen fehlenden Buchstaben zurück, es wurde zu „schnelllebig“. Diese Regel macht durchaus sehr viel Sinn, denn die Schreibung ergibt sich nun aus beiden vollständigen Wörtern des Kompositums – es werden keine Buchstaben mehr eingespart.

 

Umlautschreibung

Im Rahmen dieser Regel wurde die Schreibung anderer Wörter derselben Wortfamilie berücksichtigt: Anstatt „Bendel“, der aus der gleichen Wortfamilie stammt wie das Wort „Band“, schreibt man seit der Rechtschreibreform „Bändel“. Das Adjektiv „überschwenglich“ wurde zu „überschwänglich“, da es zur gleichen Wortfamilie wie das Nomen „Überschwang“ gehört. Auch die „Gemse“ erhielt einen Umlaut und wurde zur „Gämse“ – wegen der „Gams“. Diese Regel war – wie viele weitere auch – anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, und man störte sich an den vielen Umlauten. Doch auch sie ist eigentlich praktisch, denn sie vereinfacht vieles, insbesondere für Personen, die Deutsch als Fremdsprache lernen.

 

Fremdwörter

Mit der Neuregelung sollte auch die Anpassung von Fremdwörtern an die deutsche Schreibung gefördert werden. Die bisherige Schreibung ist aber weiterhin erlaubt. So sind beispielsweise „Geografie“ sowie „Geographie“ oder „Delfin“ wie auch „Delphin“ korrekt. Für die Schweiz gilt ausserdem, dass bei Fremdwörtern, die aus einer der anderen Landessprachen stammen, die Schreibweise der jeweiligen Sprache bevorzugt werden soll. So wird in der Schweiz etwas mit „Bravour“ gemeistert und nicht mit „Bravur“ wie in Deutschland. Auch wird in der Schweiz weder das „Nessessär“ für die Ferien gepackt, noch „Majonäse“ aufs Brot gestrichen. Wir halten uns hier gerne an die französischen Schreibweisen „Necessaire“ („Nécessaire“) und „Mayonnaise“, denn die deutsche Schreibung ist hier unserer Meinung nach besonders … na ja … gewöhnungsbedürftig.

 

Weitere Neuerungen

Die Rechtschreibreform brachte noch viele weitere Änderungen wie neue Regeln bei der Gross- und Kleinschreibung, bei Worttrennungen, bei der Schreibung mit Bindestrich etc. mit sich. Auch bei den Kommas gab es etliche Änderungen. Auf diese Neuerungen und insbesondere auf die Kommaregeln werden wir im Rahmen dieses Textes jedoch nicht weiter eingehen. In unserem Blog haben wir uns nämlich schon öfters mit Kommaregeln befasst, und wir möchten Sie letzten Endes nicht etwa noch langweilen :-).

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 
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