(Praktische) Änderungen im Rahmen der deutschen Rechtschreibung
 Foto von aufgeschlagenem Duden

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 29.12.2017

Mit der Rechtschreibreform 1996 wurden wir mit zahlreichen Neuerungen konfrontiert. Nun kommt es erneut zu – glücklicherweise vereinfachenden – Anpassungen.

Rückblick

Die Rechtschreibreform von 1996 führte zu grossen Debatten. In den Folgejahren diskutierte man endlos über gewisse Themen, so zum Beispiel über die richtige Schreibweise bestimmter Wörter. Delfin oder Delphin? Schifffahrt oder Schiffahrt? Im Zuge der Streitigkeiten wurde ein Rechtschreiberat gegründet, der nach und nach die Wogen glättete.

Seit 2004 ist der Rat die massgebliche Instanz in Sachen Rechtschreibung. Seine Mitglieder stammen aus folgenden deutschsprachigen Ländern und Regionen:

  • Deutschland
  • Österreich
  • Schweiz
  • Fürstentum Liechtenstein
  • Autonome Provinz Bozen-Südtirol
  • Deutschsprachige Gemeinschaft Belgien

Der genannte Rat beschloss 21 Jahre nach der sehr umstrittenen Reform erneute Änderungen. Der Duden, unser Referenzwerk, wurde somit an einigen Stellen wieder angepasst. Die Änderungen sind für die erwähnten Sprachgemeinschaften verbindlich und aus diesem Grund wohl auch für Sie von Interesse. Und etwas Wesentliches gleich vorweg: Sämtliche Neuerungen können eigentlich als Vereinfachungen und somit als Gewinn betrachtet werden. :-)

 

Nachstehend die hauptsächlichsten Neuerungen, die der Rat der deutschen Rechtschreibung beschlossen hat:

1)     Grosses Eszett:

Eine Ergänzung, die uns Schweizerinnen und Schweizer gar nicht betrifft, ist die Einführung des grossen «ß». Sie sei vor allem für die korrekte Schreibung von Eigennamen in Dokumenten wichtig, argumentiert der Rat. Gegner sehen in erster Linie ein unnötiges Millionengeschäft für deutsche Schulbuchverlage.

2)     „Zu extreme“ Änderungen:

Eine ganze Reihe eher absurder Schreibweisen, die bis anhin angewendet werden durften, wurde vom Rat der Rechtschreibung wieder aus dem Verkehr genommen. So wird Ketschup wieder zu Ketchup, Majonäse zu Mayonnaise und Grislibär zu Grizzlibär. Wer bis anhin sowieso lieber die konservativen Schreibweisen wählte, muss sich kaum anpassen.

 

Aus der bis anhin gültigen Wortliste gestrichen wurden:

 

Anschovis, Belkanto, Bravur (inkl. bravurös), Campagne, Frotté, Grislibär, Joga, Jockei, Kalvinismus, Kanossa(gang), Kargo, Ketschup, Kollier, Kommunikee, Komplice, Majonäse, Masurka, Negligee, Nessessär, passee, Rakett, Roulett, Varietee, Wandalismus

 

In die aktuell gültige Wortliste neu aufgenommen wurden:

 

Canapé, Entrée, Praliné und Soirée als gleichberechtigte Variantenschreibungen zu den bestehenden Schreibungen Kanapee, Entree, Pralinee und Soiree

3)     § 63: Feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv

Normalerweise werden Adjektive kleingeschrieben. Wenn Sie aber mit einem Substantiv eine feste Verbindung eingehen und dann zu einem neuen Eigennamen werden, schreiben wir sie gross.

 

Beispiele:

  • der Heilige Stuhl
  • der Grosse Wagen
  • die Vereinten Nationen

Die erwähnte Regelung war aber immer mit Zweifeln verbunden. Wie verhält es sich nämlich mit dem schwarzen/Schwarzen Brett oder dem blauen/Blauen Brief?

 

Der neue § 63 schafft Klarheit. Nach ihm ist die Kleinschreibung des Adjektivs der Regelfall. Wenn durch die Kombination von Adjektiv und Nomen ein neuer Gesamtausdruck entsteht, kann man zwischen Gross- und Kleinschreibung wählen. Grossschreibung als Regelfall kommt zum Einsatz bei Titeln, Ehren- und Amtsbezeichnungen oder bei Arten- und Klassenbezeichnungen in der Botanik oder Zoologie.

 

Folgende Beispiele für Sie als Gedankenstütze:

  • Die Kindergärtnerin wählte unterschiedliche Farben. Lisa erhielt einen blauen Brief.
  • Herr Rauh war schockiert. Nie hätte er mit dem blauen/Blauen Brief gerechnet!
  • Die Schwarze Witwe ist eine Spinnenart.
  • Die Königliche Hoheit machte einen Staatsbesuch.

Ziele

 

Dem Rechtschreiberat geht es in erster Linie darum, erkennbare Tendenzen aufzugreifen oder bei problematischen Themen Klarheit zu schaffen. Dennoch gibt es auch Fälle, in denen er Trends nicht aufnimmt. So wird zum Beispiel das weit verbreitete „herzlich Willkommen“ anstelle von „herzlich willkommen“ nach wie vor abgelehnt, da es sich im eigentlichen Sinne immer noch um einen Grammatikfehler handelt.

 

Es mag für den Verirrten im Rechtschreibdschungel manchmal nicht danach aussehen – die erwähnten Beispiele zeigen jedoch, dass die Expertinnen und Experten durchaus darin bestrebt sind, dem Laien das Leben zu erleichtern, ohne dabei die deutsche Sprache in ihrer Richtigkeit zu gefährden.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 
Loading

0 von 0 Kommentaren

Kommentar schreiben