Die berühmte Negation interessiert uns immer noch nicht nicht
 Foto von Gleichungen zum Thema "minus und minus ergibt plus"

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 23.09.2015

Nicht nicht … Also gar nicht? Nein, genau das Gegenteil, also doch. Oder etwa doch nicht? Eine weitere Portion Aufklärung zum Thema Negation.

 

Sie erinnern sich an den letzten Blog? Er war nicht uninteressant, oder?

 

Genau – da haben wir eine weitere Schwierigkeit rund um die Thematik der Verneinung. Das Beispiel nicht uninteressant widerspiegelt das Phänomen der doppelten Negation.

 

Begriffserläuterung

Wie bereits im letzten Blog erwähnt können Aussagen generell immer bejaht oder verneint werden. Eine Feststellung wird in der deutschen Sprache jedoch oft auch doppelt verneint.

Hierzu einige Beispiele:

 

1. Die doppelte Negation kann mit Adjektiven konstruiert werden:

 

Das ist nicht unklar.

Hans verhielt sich heute ausnahmsweise mal nicht asozial.

 

2. Weiter ist die doppelte Negation in Verbindung mit Nebensätzen gebräuchlich:

 

Das bedeutet wirklich nicht, dass ich das nicht will.

Er hatte absolut keine Absicht, sich nicht bemerkbar zu machen.

 

Effekte der doppelten Negation

Bis hierhin ist alles ganz einfach. Spannend wird die Sache erst, wenn man dich die Frage stellt, was die doppelten Verneinungen für eine Aussage auslösen. Der Effekt einer zweifachen Negation kann nämlich unterschiedlich sein. Generell unterscheiden wir in der deutschen Sprache drei Ergebnisse der doppelten Verneinung:

 

1. Die doppelte Negation als Bejahung. Dieser Fall kommt am meisten vor:

 

Das ist nicht unklar bedeutet, dass es klar ist.

 

Hans verhielt sich heute ausnahmsweise mal nicht asozial bedeutet, dass sich Hans heute ausnahmsweise mal sozial verhielt.

 

2. Die doppelte Negation als nuancierte Bejahung. Sie ist ebenfalls üblich:

 

Ich bin nicht unbeliebt kann bedeuten, dass ich beliebt bin, kann aber auch heissen, dass ich nicht sonderlich beliebt bin.

 

Anne war nicht unglücklich darüber, dass Ernst sie verlassen hatte, kann bedeuten, dass Anne über die Trennung glücklich war. Der Satz kann aber auch aussagen, dass Anne nicht unbedingt glücklich war.

Der Empfänger muss solche Aussagen im Kontext oder im mündlichen Sprachgebrauch aufgrund der Betonung selbst interpretieren.

 

3. Die doppelte Negation als Verneinung. Sie ist im Deutschen äusserst selten:

 

So warm wie der Hans hat's niemand nicht bedeutet, dass es so warm wie Hans wirklich niemand hat.

 

Dieser Satz aus „Die drei Spatzen“ von Christian Morgenstern“ ist ein typisches Beispiel einer doppelten Negation zur Bekräftigung einer Verneinung. Sie kommt eigentlich nur in lyrischen Texten vor.

Spannend ist, dass diese Art der Negation in hochdeutschen Dialekten (zum Beispiel im Plattdeutschen) oder auch im Schweizerdeutsch noch viel üblicher sind.

 

I gseh niene kes Huus (ich sehe nirgends kein Haus) bedeutet, dass ich wirklich nirgendwo ein Haus sehe.

 

Gerade die Nuancen, die mittels der doppelten Negation hervorgerufen werden können, verdeutlichen einmal mehr die Vielschichtigkeit unserer Sprache. Erfreuen wir uns dieser grossen Palette! Wird sie nämlich korrekt genutzt, bietet sie uns sehr viele, spannende Ausdrucksmöglichkeiten.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 
Loading

0 von 0 Kommentaren

Kommentar schreiben