Die Negation interessiert uns nicht nicht …
 Foto eines Putzmittels mit Fehler im Titel

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 16.09.2015

ANTI-KALKSCHUTZ. Sogar ein Putzmittel kann es uns also vor Augen führen: Die Negation im Deutschen hat es in sich. Nachstehend einige Erläuterungen.

 

Gut möglich, dass Sie beim ersten Lesen gar nicht über etwas Sonderbares gestolpert sind. Mir erging es genauso. Deshalb nochmals: ANTI-KALKSCHUTZ. Fällt Ihnen nun etwas auf?

 

Richtig, der neueste Hit ist ein Putzmittel gegen Kalkschutz. Antikal macht also zum Beispiel Putzessig oder Durgol den Garaus. Oder ist Antikal sogar das Gegenteil eines Kalkschutzes?

 

Nun aber von vorne: Die Vorsilbe „anti“ ist zwar kein besonders typisches Hilfsmittel zur Bildung von Verneinungen. Dennoch zeigt das erwähnte Beispiel sehr gut auf, dass wir uns mit der Negation in unserem Sprachgebrauch schwertun. Grund genug, den folgenden Blogtext der Problematik zu widmen.

 

Begriffserläuterung

In der Sprachwissenschaft bedeutet der Begriff „Negation“ die Verneinung einer Aussage. Generell können Aussagen immer bejaht oder verneint werden, wobei für Bejahungen respektive Verneinungen unterschiedliche sprachliche Mittel zur Anwendung kommen.

 

Weitere Mittel zur Bildung einer Negation

1. Negationen werden allgemein mit nicht oder kein gebildet:

Ich bin heute nicht hungrig.

Ich habe heute keinen Hunger.

 

2. Weiter können Pronomen und Adverbien wie niemand, nichts, nie oder nirgendwo zu verneinenden Aussagen führen:

Niemand will mit Annika spielen.

Wir haben überall gesucht, aber den Hund nirgendwo gefunden.

 

3. Die Präpositionen ohne oder ausser werden ebenfalls als Mittel zur Bildung der Negation eingesetzt:

Er ging ohne zu weinen in den Kindergarten.

Ausser der kleinen Anne spielten alle fröhlich mit.

 

4. Weiter kommen die Konjunktionen weder … noch und ohne … zu zum Einsatz, um Verneinungen zu konstruieren:

Weder Gabel noch Messer lagen bereit.

Peter lieferte viele Hinweise, ohne es überhaupt zu bemerken.

 

5. Typisch für die Bildung von Negationen sind auch Vorsilben wie un-, ir-, in- oder des-:

unsanft, irreparabel, inexistent, desinteressiert

 

6. Ebenso kann eine Negation mit Nachsilben aufgebaut werden. Typischstes Beispiel hierfür ist die Negation –los:

aussichtslos, hoffnungslos, parteilos, arbeitslos

 

Die lieben Vorsilben

Scheint doch alles ganz logisch? Oder doch nur auf den ersten Blick? Beschäftigen wir uns nur schon mal mit all den lieben kleinen Silben, mithilfe derer eine Negation ins Leben gerufen werden kann. Wie oft begegnen wir nämlich Fehlern oder stellen uns Fragen …

 

Ist unser Freund nun unsozial oder asozial?

Ist er uninteressiert oder desinteressiert?

Ist etwas inkompatibel oder unkompatibel?

Bezeichnen wir etwas als atypisch oder untypisch?

 

Während die Adjektive „unsozial“ und „uninteressiert“ nicht falsch sind, existiert die Bezeichnung „unkompatibel“ nicht. Und während „uninteressiert“ und „desinteressiert“ sowie „atypisch“ und „untypisch“ als Synonyme gelten, haben „asozial“ und „unsozial“ nicht ganz die gleiche Bedeutung. Sogar als Linguistin stelle ich mir oft Fragen – wie ergeht es somit wohl jemandem, der mit der deutschen Sprache nicht vertraut ist? Ist das Büro unstrukturiert, destrukturiert, astrukturiert, instrukturiert oder nicht strukturiert? Ach lassen wir es, ist doch unrelevant. Oder irrelevant?

Zur Frage der un-, in-, ir-, des- oder arelevanten Vorsilben gibt es übrigens keine Regeln. Retter in der Not ist wie immer www.duden.de. 

Sie sehen, die Schwierigkeiten können bereits im Kleinen auftauchen. Und Sie werden in einem nächsten Blog erkennen – sie können noch viel grösser werden! :-)

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 

 
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