Mundart oder Schriftsprache? Mundart und Schriftsprache!
 Foto von Auszug einer Synonym-Website mit Synonymen zum Wort "Puff"

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 12.03.2015

Mundart oder Schriftsprache? Die Diskussion ist allgegenwärtig, die Argumente sind vielfältig und eine Lösung des Konflikts ist nicht wirklich absehbar. Warum also kein harmonisches Nebeneinander?

 

Seit vielen Jahren beschäftigen sich die unterschiedlichsten Parteien mit der Frage, welchen Platz Mundart und Schriftsprache in unserem Land einnehmen sollen. Pädagogen, Migrantinnen, Germanisten, Eltern und Jugendliche warten alle mit stichhaltigen Argumenten pro und kontra Mundart oder Schriftsprache auf – die Debatte scheint endlos. An dieser Stelle verzichten wir auf eine Auflistung aller Gründe für oder gegen Dialekt respektive Hochsprache. Wir vertreten nämlich die These, dass es beides braucht. Sonst hätte sich ja das eine oder andere längst durchgesetzt.

Abgrenzung...

Ein harmonisches Nebeneinander ist aus unserer Sicht also durchaus denkbar oder sogar wünschenswert. Aber Achtung: Wir plädieren für ein Nebeneinander mit ganz klarer Abgrenzung. Was wir nämlich als problematisch erachten, ist die zunehmende Vermischung von Dialekt und Hochsprache. Diese ist es unserer Ansicht nach, die den Beteiligten das Leben schwer macht. Wir denken insbesondere an Fremdsprachige oder Schülerinnen und Schüler, die immer wieder mit einer Hochsprache konfrontiert sind, die mit Mundartausdrücken durchsetzt ist.

 

So bekommen wir zum Beispiel beim Lesen folgenden Satzes aus dem Migros-Magazin vom 2. Februar 2015 Gänsehaut:

 

„In ihrem Zimmer herrscht stets ein Puff, und wenn sie einmal Ferien hat, will sie sich nur entspannen und massieren lassen.“

 

Was zum Teufel hat das Wort „Puff“ hier zu suchen? Es handelt sich um einen in Schriftsprache verfassten Artikel. Und Puff heisst auf Hochdeutsch überhaupt nicht Unordnung. Auf Mundart stimmt zwar die Wortwahl, der eingestreute Dialektausdruck verleiht dem Artikel jedoch sofort einen unseriösen Eindruck. Von einer weiteren Bedeutung des Wortes „Puff“ wollen wir gar nicht erst reden.

 

Als Linguistinnen sind wir in der Lage, den genannten Satz zu analysieren und dem eingestreuten Wort die richtige Bedeutung beizumessen. Wie aber sollen Jugendliche einwandfreies Hochdeutsch lernen, wenn sie ständig mit Mundartausdrücken konfrontiert werden, die sehr oft nicht mehr in Anführungs- und Schlusszeichen stehen und somit nicht einmal mehr gekennzeichnet sind.

 

Wir mögen altmodisch sein, aber eine klare Trennlinie zwischen Mundart und Hochsprache erachten wir – gerade für das Erlernen des Deutschen als Schriftsprache – als absolut notwendig. Wie sonst sollen unsere Kinder einmal wissen, dass das Wort „Puff“ nie und nimmer in ein offizielles Schreiben gehört? In der konkreten Umsetzung der erwähnten Trennung können wir uns ganz einfach an den Duden halten. Das genannte Referenzwerk gibt in jedem Fall Aufschluss, ob ein Wort überhaupt Teil des deutschen Sprachgebrauchs ist und wenn ja, in welcher Bedeutung es gebraucht wird. So kann es durchaus geschehen, dass vielleicht – ähnlich wie bei einem Anglizismus – hier und da ein sehr gebräuchlicher Mundartausdruck mit den Jahren auch vom Duden akzeptiert wird. Alles, was der Duden jedoch nicht kennt, sollten auch wir in korrekten hochsprachlichen Texten nicht verwenden, da es seinen festen Platz in der Mundart hat. Und es sei hier nochmals betont: Unser Dialekt hat durchaus seine Berechtigung und soll auch gepflegt werden. Er ist unter anderem zum Beispiel für unsere Identitätsfindung unabdingbar. Er soll jedoch einen klar eingeschränkten Einsatzbereich haben. Nur so können wir weiterhin von den jeweiligen Vorteilen von Mundart und Schriftsprache wirklich profitieren.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 

 

 
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