Die Metapher als wunderbares Stilmittel

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 05.11.2015

Sehen Sie die Welt manchmal durch eine rosarote Brille? Wir holen Sie auf den Boden der Tatsachen zurück – Spannendes zur omnipräsenten Metapher.

Von Tränenmeeren und gebrochenen Herzen

Bestimmt kennen Sie die festen Wendungen in unserer Einleitung und im vorangehenden Titel bestens oder haben sie zumindest schon gehört, denn es handelt sich bei allen um sehr gängige Metaphern.

 

Die Metapher ist ein Stilmittel, mit dem etwas wörtlich Gemeintes ersetzt wird. Der Sinn einer Metapher ist es, eine Sache anschaulicher, leichter verständlich oder sprachlich eleganter zu gestalten. Mittels einer Metapher werden zwei Dinge miteinander verbunden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. So kann beispielsweise eine ganze Nation oder Fangemeinde in einem Tränenmeer versinken, wenn die Lieblingsfussballmannschaft frühzeitig aus einem wichtigen Turnier ausgeschieden ist – was nichts anderes bedeutet, als dass alle untröstlich darüber sind, dass man nicht weiter mitfiebern kann. Um die grosse Trauer besser zu veranschaulichen, wird die Menge an geflossenen Tränen mit einem Meer gleichgesetzt. Das Bild des Meeres und die Tränen bilden also die seltsame Verbindung zweier Dinge, die normalerweise unabhängig voneinander existieren.

 

Mit Sicherheit werden auch Tränen vergossen, wenn einem das Herz gebrochen wird. Auch das gebrochene Herz ist eine metaphorische Aussage, denn natürlich werden Herzen nicht wirklich gebrochen. Das Herz steht bekanntlich für die Liebe und wird bei zerstörtem Liebesglück im übertragenen Sinn gebrochen.

 

Egal ob Newsletter, Zeitungsartikel, Geschäftsberichte oder literarische Werke: Wenn man sich achtet, wird man erkennen, dass zahlreiche Texte mit Metaphern gespickt sind. Dies erstaunt nicht, ist die Metapher doch ein wunderbares Stilmittel, um einen Text abwechslungsreicher und anschaulicher zu gestalten. Gängige Beispiele von Metaphern, die Sie bestimmt schon gelesen oder gehört haben oder vielleicht auch selber (unbewusst) anwenden, sind:

  • auf einer Erfolgswelle reiten – für längere Zeit ungewohnt viel Erfolg haben
  • Rabeneltern – Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen
  • Schnee von gestern – vergangene Sache, die heute keine Bedeutung mehr hat
  • Baumkrone – Spitze des Baumes
  • jemanden in den Himmel loben – jemandem höchstes Lob aussprechen

Wie anhand der obenstehenden Beispiele und denjenigen in der Einleitung unschwer zu erkennen ist, kann eine Metapher ein feststehender Ausdruck (meist Nomen), aber auch eine Redensart sein. Weiter werden auch Adjektive oder Verben als Metaphern eingesetzt:

Strengen Sie Ihre grauen Hirnzellen doch etwas an und schon steht die Lösung vor der Tür.

Vergleich vs. Metapher

Wie wir nun wissen, steht eine Metapher für etwas, sie setzt eine Sache mit einer anderen gleich:

Markus kämpfte wie ein Löwe – trotzdem hat es nicht für den Final gereicht.

Bei diesem Satz haben wir es jedoch nicht mit einer Metapher, sondern mit einem Vergleich zu tun. Erst wenn man die Vergleichspartikel (hier: wie) weglässt und den Satz etwas umschreibt, kann man von einer metaphorischen Formulierung sprechen.

Markus ist ein wahrer Löwe – er hat gekämpft, trotzdem hat es nicht für den Final gereicht.

Im obigen Beispielssatz wird Markus mit einem Löwen gleichgesetzt. Er kämpft nicht nur wie ein Löwe – er ist einer! Diese Formulierung ist viel prägnanter, aber auch irrationaler als ein gewöhnlicher Vergleich.

Scheuen Sie sich also nicht, Ihre Texte mit der einen oder anderen Metapher zu bereichern. Sie gestalten damit Ihren Stil abwechslungsreicher und lockerer. Übertreiben sollten Sie es aber trotzdem nicht. Der Text soll weiterhin angenehm zu lesen sein, ohne dass jeder Satz zuerst eingehend interpretiert werden muss.

 

Kennen Sie eine Metapher, die Ihnen besonders gut gefällt oder eine, die Sie nicht verstehen oder die Ihnen unlogisch erscheint? Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 
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