Wo stehen denn nun die Kommas?
 Satz "einsperren nicht aber freilassen" und erstauntes Smiley dazu.

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 09.12.2015

Kommas bereiten nicht selten Kopfzerbrechen, doch manchmal bringen sie einem auch richtiggehend zum Schmunzeln.

 

In einem früheren Blog haben wir über einige wichtige Kommaregeln geschrieben – eine eher trockene Angelegenheit, die aufgrund der vielen Ausnahmen und verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten nicht leicht fassbar ist. Heute widmen wir uns einem unterhaltsameren Thema auf diesem Gebiet: den falsch gesetzten oder fehlenden Kommas, die oft interessante Folgen nach sich ziehen.

 

Richtig gesetzte Kommas trennen unter anderem Haupt- und Nebensätze voneinander und markieren Sprechpausen, die das Lesen erleichtern. Falsche oder fehlende Kommas hingegen erschweren den Lesefluss oder verfälschen die Bedeutung eines Satzes. Missverständnisse sind vorprogrammiert, oder Sätze machen überhaupt keinen Sinn mehr.

 

Martin sagt Patrick ist dumm.

 

In obenstehendem Satz fehlen abgesehen vom Punkt die Satzzeichen. Der korrekte Satz kann wie folgt lauten:

 

Martin sagt: „Patrick ist dumm.“

„Martin“, sagt Patrick, „ist dumm.“

 

Wer ist denn nun dumm? Martin oder Patrick? Im ersten Satz ist es Martin, der behauptet, dass Patrick dumm ist, während im zweiten Satz Patrick Martin vorwirft, dumm zu sein. Sie sehen, Kommas haben durchaus ihren Sinn.

Erweiterter Infinitiv

In Sätzen mit dem erweiterten Infinitiv „zu“ zum Beispiel gilt die Regel, dass das Komma nicht zwingend gesetzt werden muss. Es muss aber stehen, wenn die Satzstruktur unklar ist. Zur Veranschaulichung ein Beispiel:

 

Er versprach, heimlich abzureisen.

Er versprach heimlich, abzureisen.

 

Im obenstehenden Satz muss ein Komma stehen, denn aus dem Kontext heraus ist nicht klar, wie er zu verstehen ist. Versprach er, dass er heimlich abreisen wird, oder versprach er heimlich, dass er abreisen wird?

Verneinungen

Manuela bestand die Prüfung, nicht aber ihre Freundin.

Manuela bestand die Prüfung nicht, aber ihre Freundin.

 

In diesen Beispielssätzen ist das Komma zwingend. Doch wo soll es stehen? Es kommt auch hier darauf an, was man aussagen will. Hat Manuela die Prüfung bestanden oder ihre Freundin? Den Sachverhalt sollte man vor dem Schreiben abklären, denn ein Missverständnis kann in diesem Fall vielleicht sogar zu Tränen und Verzweiflung führen.

 

Der Richter sprach: „Einsperren, nicht aber freilassen!“

Der Richter sprach: „Einsperren nicht, aber freilassen!“

 

Auch in diesen beiden Sätzen ist das Komma zwingend. Doch je nachdem, wo es steht, sagt der Satz zwei völlig verschiedene Dinge aus.

Achtung

„Wir essen gleich Oma.“ – Wie bitte? Diese Satzstruktur verlangt eigentlich kein Komma, doch wenn man sich nicht Kannibalismus vorwerfen lassen will, dann muss hier unbedingt ein Komma stehen.

 

Wir essen gleich, Oma.

 

Mit vorangehendem Satz wird die Oma darauf aufmerksam gemacht, dass es bald zu Essen gibt. Schon besser, oder?

 

Achten Sie also immer auf eine korrekte Kommasetzung. Lesen Sie sich Ihre Texte wenn nötig einmal laut vor. So erkennen Sie Sprechpausen. Diese sind natürlich kein eindeutiges Zeichen dafür, dass an einer Stelle ein Komma stehen muss, können aber trotzdem bezüglich Kommasetzung wichtige Hinweise geben.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 

 
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