Jugendsprache – das Deutsch von morgen?
 Foto eines Graffitis in Grüntönen an einer Wand

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 30.03.2015

Verstehen Sie Ihre Kinder noch, wenn diese sich mit Freunden unterhalten? Und bedauern Sie, dass oft nur noch so geschrieben wird, wie es gerade kommt?

 

Ich stelle immer wieder fest, wie schlecht Jugendliche und junge Menschen schreiben. Dies fällt mir auf in E-Mails, im Internet, in den Social Media und sogar in Bewerbungsschreiben. Insbesondere auf Facebook wird geschrieben, wie es gerade kommt, ohne Rücksicht auf Tippfehler. Dass die Jugendlichen sich mit einer eigenen Sprache von den Erwachsenen abheben, ist ja nichts Neues. Die Jugendsprache hat sich aber in den letzten Jahren durch das Internet und Handys stark verändert. Die Kommunikation über SMS, E-Mail oder Chat ist populärer denn je. In der Schweiz werden täglich Millionen von SMS verschickt. Auch wenn die Verwendung englischer Wörter im Deutschen mittlerweile normal ist und oft in Mundart gesimst und geschrieben wird, so gibt es doch immer noch eine Rechtschreibung.

 

Doch die Jugendlichen sind erfinderisch, und es gibt mittlerweile gar eine sogenannte SMS-Sprache:

 

- mfg: Mit freundlichen Grüssen

- HDL/HDGDL: hab dich lieb/hab dich ganz doll lieb

- BIDUNOWA: Bist du noch wach?

- Cu: see you (wir sehen uns)

- 1fach: einfach

- GN8: gute Nacht

 

Heute ist die Jugendsprache also nicht mehr nur eine gesprochene Sprache wie früher, sondern hat sich durch die neuen Kommunikationsformen mehr und mehr zu einer geschriebenen Sprache entwickelt.

 

Diese Jugendsprache hat aber auch ihre positive Seite und zeigt, wie fantasievoll die Jugendlichen mit der Sprache spielen und basteln. Dabei werden oft auch Verfremdungen und Aussagen in gebrochenem Deutsch verwendet (Was guckst du? Tue mi nid produziere. Du chasch mer nid schamponiere.). Dies bedeutet aber nicht, dass die Jugendlichen nicht wissen, wie der Satz in korrektem Deutsch lautet. Es ist vielmehr eine Spielerei oder eine Anpassung an den Sprechstil einer Gruppe. Ich beobachte in den Social Media sowie in SMS- oder WhatsApp-Nachrichten immer mehr phonetische Verschriftlichungen von Anglizismen: Es heisst zum Beispiel nicht mehr cool, sondern kul.

 

Die Herausforderung für die Jugendlichen ist heute also zu wissen, dass sie in einem Aufsatz in der Schule nicht „voll easy“ oder „1fach mega kul“ schreiben und dass man mit den Lehrerinnen und Lehrern und seinen Eltern anders spricht als mit seinen Freunden. Leider können mittlerweile aber nicht mehr alle Jugendlichen ihren Schreib- und Kommunikationsstil der entsprechenden Situation anpassen.

 

An dieser Stelle muss ich auch kurz an die zahlreichen Werbe- und Marketingagenturen denken, die die Gross-/Kleinschreibung für sich abgeschafft haben und somit wohl einen besonders innovativen Eindruck vermitteln wollen. So sind nicht nur ihre internen Kommunikationsmittel ausschliesslich in Kleinbuchstaben verfasst, sondern immer mehr wird dieser Stil auch den Kunden aufgedrängt. So kommt es, dass in der Werbung immer öfter die reine Kleinschreibung anzutreffen ist. Keine grosse Hilfe für die Jugendlichen, die sich an einem korrekten Deutsch orientieren sollen!

 

Die Jugendsprache ist Tatsache und teilweise sicher witzig, doch als Linguistin möchte ich, dass meine Kinder einmal gutes, korrektes Deutsch beherrschen. So liegt es nun also an uns Eltern und an den Lehrerpersonen. Wichtig ist, das Lesen und Schreiben durch aktives Tun und Training zu fördern:

 

- zuhören

- regelmässiges Lesen

- lautes Lesen und Vorlesen

- schreiben

- freies Formulieren in Standardsprache

 

Doch müssen Lehrpersonen und Eltern am selben Strick ziehen. Wenn sich Lehrerinnen und Lehrer heute aber bei ihren Arbeitsblättern, Eltern- und Schüler-Infos nicht einmal mehr die Mühe machen, die Rechtschreibeprüfung von Word über den Text laufen zu lassen oder den Unterschied zwischen einem Adjektiv und einem Adverb nicht mehr kennen, muss ich dann schwarzsehen und die korrekte deutsche Sprache als vom Aussterben bedroht betrachten?

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 

 
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