Helvetismen x Helvetismen = Schweizer hoch Deutsch = Schweizerhochdeutsch
 Foto Auszug Duden Definition des Wortes "zügeln"

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 19.05.2015

Auch diese Rechnung geht auf. Es sind all die Helvetismen, die unser Schweizerhochdeutsch ausmachen.

 

Passend zur Thematik unseres letzten Blogs fiel uns kürzlich ein Artikel ins Auge, in dem ein deutscher Professor die Einführung eines Leitfadens zur Verwendung einer korrekten Standardhochsprache in wissenschaftlichen Schweizer Texten propagierte. Er störte sich an den zahlreichen Helvetismen, die angeblich die Wissenschaftlichkeit eines Textes massiv verschleierten.

 

Unser Statement hierzu bleibt klar: Helvetismen prägen ein Schweizerhochdeutsch, dessen Existenz absolut legitim ist. Das Schweizerhochdeutsch ist eine deutsche Varietät, die unsere Nationalität unterstreicht und somit unbedingt gepflegt werden sollte. Daran möchten wir nicht rütteln. Es geht vielmehr darum, uns der charakteristischen Merkmale des Schweizerhochdeutschen bewusst zu sein.

 

Gerne nehmen wir deshalb das Phänomen der Helvetismen noch genauer unter die Lupe. Nur mit einem vergrösserten Wissen um die Besonderheiten unseres schweizerisch geprägten Hochdeutschs können wir dieses nämlich auch gezielt aufrechterhalten.

Arten von Helvetismen

In unserem letzten Blog haben wir erwähnt, dass Helvetismen vor allem den Wortschatz betreffen. So sprechen wir beim Morgenessen über den Mietzins, nicht aber beim Frühstück über die Miete. Wir machen Leerschläge anstelle von Leerzeichen und zügeln in ein neues Haus, denn umziehen wollen wir nicht. Die Fixleintücher verstauen wir beim Zügeln übrigens in Harassen. Spannbetttücher und Bierkästen sind uns nämlich fremd.

 

Neben typisch schweizerischen Wörtern können jedoch auch phonetische, grammatikalische oder orthografische Besonderheiten unseres Landes als Helvetismen bezeichnet werden.

Phonetische Unterschiede

Neben der Aussprache (Schweizerhochdeutsch versus Bühnendeutsch) existieren zwischen Schweizerhochdeutsch und vermeintlichem Standardhochdeutsch signifikante Unterschiede, was die Betonungen anbelangt. So sprechen die Schweizerinnen und Schweizer zum Beispiel von einem Moto(o)r, während in Deutschland generell von einem Mo(o)tor die Rede ist. Deutsche gehen ins Büro(o), während Schweizer im Bü(ü)ro arbeiten.

Orthografische Merkmale

Neben dem fehlenden Eszett (ß) weist das Schweizerhochdeutsch zahlreiche weitere rechtschreibetechnische Besonderheiten auf. So zum Beispiel werden französische und italienische Lehnwörter immer noch in der ursprünglichen Form geschrieben. Wir Schweizerinnen und Schweizer essen also Spaghetti und Mayonnaise und können mit Spagetti und Majonäse nichts anfangen. Auch werden Umlaute am Wortanfang bei schweizerischen Eigennamen ausgeschrieben. So wohnt Familie Aebi in Oerlikon – für Nichtschweizerinnen und -schweizer ergibt diese Schreibweise wohl oft sehr ungewohnte Bilder.

Grammatikalische Eigenschaften

Auch aus grammatikalischer Sicht hat das Schweizerhochdeutsch einige Spezialitäten auf Lager. So weichen die Fälle in verschiedensten Beispielen vom Deutschen aus Deutschland ab. Trotz dem schlechten Wetter gehen die Schweizerinnen und Schweizer schwimmen, während die Deutschen trotz des schlechten Wetters schwimmen gehen. In der Schweiz geniessen wir 20 % Rabatt auf allen Sportgeräten, während in Deutschland 20 % Rabatt auf alle Sportgeräte gewährt wird. Neben den Fällen sind auch die Artikel nicht immer gleich. So schreiben wir in der Schweiz ein SMS oder ein Mail, während wir in Deutschland eine SMS oder eine Mail verfassen. Auch hier könnte die Liste beliebig verlängert werden.

Konsistenz und klare Abgrenzung

Vor einiger Zeit haben wir einen Blogbeitrag zum Thema Mundart versus Schriftsprache veröffentlicht. Wir plädierten für eine klare Grenze zwischen den zwei Sprachvarietäten, die beide in sich geschlossen durchaus wichtig sind. Genau gleich soll auch das Schweizerhochdeutsch eingegrenzt werden. Ist ein Text durchwegs auf Schweizerhochdeutsch geschrieben und somit in sich konsistent, bleiben wir als Schweizer Autorinnen und Autoren nämlich glaubwürdig und tragen wesentlich zur Erhaltung einer Besonderheit bei, der man unbedingt Rechnung tragen sollte.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 
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