Genitiv ins Wasser
 Foto mit Spruch "Genitiv ins Wasser, weil es dativ ist."

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 23.02.2015

Über diesen Satz geben wir vorerst keine Auskunft und lassen Sie selbst rätseln. Zum Thema „Genitiv ins Wasser“ teilen wir unsere Gedanken aber gerne mit, …

 

… denn der Genitiv ist bei uns Sprachspezialistinnen und -spezialisten ein Dauerbrenner. Tatsächlich hat er es nicht einfach! Freund Dativ ist auf dem Vormarsch – und verdrängt zum Leidwesen aller Genitivfans seinen Kollegen nach und nach. Das Phänomen ist im deutschen Sprachgebrauch immer öfter hör- und lesbar. In Verbindung mit Verben und Präpositionen, die eigentlich ein Nomen im Genitiv verlangen, wird der Dativ benutzt. So gedenken wir oft nur noch des Genitivs. Oder eben noch schlimmer: Wir gedenken dem Genitiv. In der gesprochenen Sprache – vor allem in der Umgangssprache – ersetzt der Dativ den Genitiv dauernd. Und auch in gesprochenen oder schriftlichen Texten renommierter Medien kann dies vermehrt beobachtet werden. So sollen wir plötzlich die Werke von berühmten Künstlern bewundern und nicht die Werke berühmter Künstler.

 

Der Genitiv wird also mehr und mehr in die Ecke gedrängt. Und wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte er tatsächlich bald ganz aus unserem Sprachgebrauch verschwinden. Für viele käme dies einer sprachlichen Katastrophe gleich. Auch wir sind Verfechterinnen des erwähnten, zugegeben manchmal doch etwas veraltet klingenden Falles, mittels dessen man sich jedoch durchaus elegant ausdrücken kann. Und wir sind – nicht zuletzt um der Sprache Vielfalt und Ästhetik willen – dafür, dass er seine wichtige Position nicht verliert!

Hier lauern die Gefahren

Der arme Genitiv hat neben dem Dativ auch andere Feinde, die versuchen, ihn zu verdrängen oder sogar zu vernichten. So muss er sich beispielsweise auch vor den Invasionsversuchen des Akkusativs fürchten. Zum Beispiel, wenn die Mutter die Lügen ihres pubertierenden Sohnemanns überdrüssig hat, anstatt, dass sie der Lügen ihres pubertierenden Sohnemanns überdrüssig ist. Bedroht wird der Genitiv vor allem auch vom kleinen und unscheinbaren, aber äusserst fiesen Wörtchen „von“, auf das jeweils ein Nomen im Dativ folgt. So sprechen viele über die Schuhe von meinem Freund und nicht über die Schuhe meines Freundes.

 

Gerade bei den Schweizerinnen und Schweizern ist ein möglicher Hauptgrund für das Verschwinden des Genitivs, dass er in fast keinem Schweizer Dialekt existiert. Wir sind uns den Genitiv also gar nicht gewohnt, weil wir ihn beim Sprechen oder Schreiben in der Mundart eigentlich nie verwenden.

Das Verschwinden des Genitiv-s

Viele Schreiberinnen und Schreiber verwenden zwar den Genitiv noch, doch sie vergessen oder ignorieren sogar bewusst eine wichtige Kleinigkeit: das Genitiv-s bei männlichen und neutralen Nomen. So liest man nicht selten Wendungen wie „Die Einwohnergemeinden des Kanton Bern liessen gestern verlauten,…“. Dies vielleicht aus dem Grund, dass mit dem Artikel „des“ der Genitiv schon angezeigt und das s somit sozusagen überflüssig wird. Diese Annahme ist aber schlicht und einfach falsch.

Dem Genitiv sein Tod

Will man sich grammatikalisch korrekt ausdrücken, ist der Genitiv in vielen Fällen zwingend. Lasst uns deshalb die korrekte Sprache bewahren und den erwähnten Fall vor seinen Feinden schützen. Lasst uns so dem Genitiv seinen schrecklichen Tod verhindern! Verwenden wir den Genitiv wieder öfter, um zu zeigen, dass wir der deutschen Sprache und derer Möglichkeiten mächtig sind. Nur so können wir uns noch lange des vom Aussterben bedrohten Falls erfreuen – trotz oder gerade wegen seiner Einzigartigkeit.

 

Finden Sie es auch schade, dass der Genitiv mehr und mehr verdrängt wird? Oder sind Sie der Meinung, dass dieser Fall sowieso schon längst abgeschafft werden sollte? Teilen Sie uns Ihre Gedanken zu diesem Thema mit. Und gerne können Sie auch die Lösung zum Rätselsatz auf dem Foto via Kommentarfeld anfordern. :-)

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 

 
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