Gedankenstrich? Bindestrich? Eine wichtige Frage – oder etwa nicht?
 Foto mit kleinem Text, der Beispiele von Gedanken- und Bindestrichen enthält.

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 03.06.2015

Sie sind praktisch identisch – könnte man meinen. Mit etwas Hintergrundwissen sind Gedankenstrich und Bindestrich jedoch gut zu unterscheiden.

 

Und glauben Sie uns – sie werden sehr oft falsch verwendet! Wir zeigen nachfolgend Unterschiede zwischen Gedanken- und Bindestrich sowie deren Gebrauch und Darstellung auf und outen uns als wahre Gedankenstrich-Liebhaberinnen.

 

Wenn Sie sich ein wenig für Sprache und Rechtschreibung interessieren und vielleicht selber Texte schreiben, ist Ihnen bestimmt bekannt, dass es unterschiedlich lange Striche gibt. Zwei häufig verwendete Striche sind der kurze Bindestrich (-) und der etwas längere Gedankenstrich (–). Diese beiden gilt es zu unterscheiden, denn sie sind nicht nur verschieden lang, sondern werden auch nicht gleich eingesetzt:

Sinn und Zweck des Bindestrichs

Beim kürzeren Bindestrich handelt es sich um ein sogenanntes Wortbinnenzeichen. Er verbindet beispielsweise die Wortbestandteile von Komposita – der Strich gehört also zum Wort. Vor und nach dem Bindestrich wird kein Leerzeichen gesetzt:

  • Das 100-Jahre-Jubiläum wird gebührend vorbereitet.

Weiter markiert der Bindestrich auch Auslassungen:

  • Das Ein- und Aussteigen verzögert sich.

Nach dem Auslassungsstrich wird ein Leerzeichen gesetzt, nicht aber vorher.

 

Der Bindestrich dient auch als Trennstrich am Zeilenende. Auch in diesem Fall wird er ohne Leerschlag dem zu trennenden Wort angefügt.

Sinn und Zweck des Gedankenstrichs

Der Gedankenstrich (auch Strecken- oder Halbgeviertstrich) hingegen ist ein Satzzeichen wie der Punkt oder das Komma – und oftmals auch ein Stilmittel.

 

Am häufigsten wird er als sogenanntes Satzbinnenzeichen verwendet – also als Zeichen innerhalb des Satzes. Er kennzeichnet eine grössere Pause, die gegebenenfalls Spannung erzeugen soll:

  • Er öffnete zögernd die Tür und stiess einen lauten Schrei aus – in der Wohnung herrschte ein riesiges Chaos.

Der gleiche Satz könnte zum Beispiel auch wie folgt geschrieben werden:

  • Er öffnete zögernd die Tür und stiess einen lauten Schrei aus, denn in der Wohnung herrschte ein riesiges Chaos.

Sind Sie gleicher Meinung wie wir, wenn wir behaupten, dass sich die erste Variante viel schöner und spannender liest?

 

Weiter gibt es den paarigen Gedankenstrich, der einen eingeschobenen Satz oder Satzteil kennzeichnet:

  • Ich gehe heute – und das meine ich wirklich ernst – mindestens eine Stunde lang laufen.

So eingesetzt finden wir den Gedankenstrich übrigens auch sehr elegant. Der Leser kann kurz innehalten, die Worte zwischen dem paarigen Gedankenstrich auf sich wirken lassen und sich einprägen, denn diese beinhalten meist eine wichtige Aussage.

Typografie

Typografisch unterscheiden sich die beiden Striche in ihrer Länge. Während den kurzen Bindestrich darzustellen keine grosse Herausforderung ist, verlangen die meisten Textverarbeitungsprogramme zum Schreiben des Gedankenstrichs eine Tastenkombination. Dies ist mitunter bestimmt auch ein Grund, weshalb der Gedankenstrich oft zu kurz gerät – wer hat schon die Zeit und die nötige Energie, die Tastenkombination zu recherchieren und sie dann auch noch auswendig zu lernen! Wir schon. Und uns ist es auch wichtig, dass dieser Strich korrekt angewendet wird – denn wir mögen ihn. Wir selber erzeugen den Gedankenstrich mittels der Tastenkombination CTRL + -. Ist in Word die Autokorrektur eingeschaltet, werden übrigens zwei aneinandergereihte Bindestriche automatisch in einen Gedankenstrich umgewandelt – probieren Sie es doch einmal aus!

 

Merken Sie sich doch folgende einfache Regel, und Sie werden die Striche nie wieder falsch einsetzen: Auslassungsstrich oder Strich innerhalb eines Wortes = Bindestrich. Strich als Satzzeichen = Gedankenstrich.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 

 
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