Weitere Gedanken zur Rechtschreibung
 Foto von zwei Nachschlagewerken (Duden und Heuer)

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 08.12.2014

Manchmal ist die Rechtschreibung eben doch nicht so klar und ohne Ausnahmen, wie sie es uns glauben lässt. Was bedeutet das nun für uns Schreibende?

 

Die Rechtschreibung und ihre strengen Regeln braucht es also…

Aber Moment mal. Was passiert, wenn genau diese Rechtschreibung mit ihren Regeln eben doch nicht so klar ist?

 

In unserem letzten Blogbeitrag haben wir über den Apostroph geschrieben. Die Freiheiten seien klar umrissen und die MUSTS und DONTS unmissverständlich. Das berühmte mit Apostroph abgetrennte Genitiv-s sei laut deutscher Rechtschreibung somit immer noch schlicht und einfach falsch.

 

Aber halt, der Duden meint:

 

b) Vor dem Genitiv-s <§97E>

  • Andrea’s Blumenecke (zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen Andreas)
  • Willi’s Würstchenbude

Ziemlich am Schluss aller Duden-Ausführungen kommt es doch noch ans Tageslicht. Was für eine Überraschung – das unter Sprachprofis ach so verpönte mit Apostroph abgetrennte Genitiv-s ist in gewissen Fällen also zulässig! Nun ja, bei „Andrea's Blumenecke“ ist es zur Unterscheidung vom männlichen Vornamen „Andreas“ einleuchtend. Wie verhält es sich aber mit „Willi’s Würstchenbude“?

 

Willi’s Würstchenbude steht symbolisch für einen Konflikt, mit dem wir alle umzugehen versuchen müssen:

 

Gewisse Sonderfälle warten so hartnäckig vor Dudens Toren, dass letzterer sie ab und zu auch einen Spalt breit öffnet. So ist die Abtrennung des Genitiv-s mittels Apostroph in der deutschen Rechtschreibung grundsätzlich immer noch untersagt. Sie wird aber im Rahmen von Firmennamen explizit erlaubt, wobei man die Präzisierung der Firmennamen nicht im Duden, sondern in anderen Ausführungen zum Thema findet.

 

Genau jene sanften Verwischungen sind es aber, die uns das Leben schwer machen. Wie lange bleibt es nämlich nur bei den Firmennamen? Und wann bürgert sich auch „Willi’s Fleischwolf“ ein? Oder anders gesagt: Ist der Unterschied zwischen einem Fleischwolf und einer Würstchenbude dermassen entscheidend?

 

Oder noch kritischer: Wenn die englische Verwirrung doch bereits Einzug gehalten hat – warum öffnen wir ihr die Tore nicht ganz, damit wieder Klarheit herrschen kann?

 

Warum halten wir an gewissen Normen verzweifelt fest und machen uns damit das Leben schwer? Warum lassen wir Willi’s Fleischwolf und Willi’s blaue Hosen nicht einfach gelten? Hunderte würden vor Freude tanzen, und unsere Schulkinder und Studenten hätten eine Sorge weniger.

 

Nun ja, ganz so einfach ist es nicht. Wieder sind wir nämlich bei derselben Grundfrage: Wo sind die Grenzen? Das „Herzlich Willkommen“ hat sich auch wunderbar eingebürgert, eventuell leiden wir hier ebenso unter einer sogenannten englischen Verwirrung – in der englischen Sprache werden nämlich Titel in Grossbuchstaben geschrieben. Akzeptieren wir also deshalb plötzlich einen klaren Rechtschreibefehler?

 

Wir sind dagegen! Grundsätzlich finden wir die Vorgehensweise unserer Experten der Rechtschreibung nämlich gar nicht so schlecht. Fehler sollen nicht gutgeheissen werden, nur, weil man sich an sie gewöhnt hat oder weil man sich verwirren lässt. Setzt sich aber ein Fall wie jener der englisch geprägten Firmennamen wirklich durch, ist es sinnvoll, ihn nach und nach gutzuheissen. So hat Willi’s Würstchenbude im Moment noch keinen prominenten Platz im Regelwerk. Dies könnte sich jedoch in absehbarer Zeit durchaus ändern.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 

 
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