Falsche Freunde oder Achtung vor dem grossen Reinfall!

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 26.03.2015

Falsche Freunde sind heimtückisch, denn sie können nicht nur Verständnisprobleme, sondern sogar grosse Peinlichkeiten mit sich bringen.

 

Folgende Situation haben Sie bestimmt auch schon erlebt:

Sie begegnen einem Menschen, der Ihnen vorgibt etwas zu sein, was er nicht ist. Er nennt sich Ihr Freund, und auch Sie bezeichnen ihn als solchen und verbringen gerne Zeit mit ihm. Und auf einmal erkennen Sie, dass alles nur vorgespielt war und Sie verletzt oder ausgenutzt wurden.

Gute Freunde können sich leider immer auch als „falsche Freunde“ entpuppen.

Falsche Freunde in der Sprache

Ähnlich verhält es sich in der Sprache. Auch dort kann es zu bösen Überraschungen kommen. Es gibt nämlich nicht nur falsche „Menschenfreunde“! Falsche Freunde in sprachlicher Hinsicht sind Wörter, denen man – in zwei Sprachen verwendet – fälschlicherweise die gleiche Bedeutung zuschreibt.

 

Viele falsche Freunde haben sich durch die Übernahme von englischen Wörtern in den deutschen Sprachgebrauch eingeschlichen. Es handelt sich dabei aber nicht um Anglizismen, die deutsche Wortlücken füllen, sondern um sogenannte Scheinanglizismen – um deutsche Wörter, die zwar aus englischen Wörtern gebildet wurden, aber im Englischen so nicht existieren oder eine total andere Bedeutung haben. So würde Sie Ihr amerikanischer Bekannter oder Ihre englischsprechende Mitstudentin wohl ziemlich schockiert anschauen, wenn Sie erzählen würden, dass Sie sich einen neuen Bodybag für die Uni gekauft haben und Sie es kaum erwarten können, ihn zum ersten Mal zu packen. Denn was im deutschen Sprachgebrauch ein Synonym für Umhängetasche ist, bedeutet auf Englisch nichts anderes als Leichensack (engl. body bag)! Noch einen obendrauf setzen Sie, wenn Sie dann begeistert von Ihren Plänen erzählen, am Abend ans Public Viewing in die Stadt zu gehen und anfügen, sie seien ganz gespannt darauf, wer gewinnen wird. Denn der englische Muttersprachler versteht unter public viewing nicht wie Deutschsprachige ein öffentliches Verfolgen von Sportanlässen auf einer Grossleinwand – nein – passend zum Leichensack würde er denken, Sie freuen sich ungemein auf die öffentliche Aufbahrung eines Toten. Selbstverständlich kann das beschriebene Phänomen auch bei der Übernahme von Wörtern aus anderen Fremdsprachen entstehen, englische Sprachfallen sind jedoch äusserst populär.

 

Noch bekanntere falsche Freunde sind Wörter zweier Sprachen, die sich in der Schrift oder der Aussprache ähneln. Zu schnell wird dann manchmal davon ausgegangen, dass auch deren Bedeutung identisch sein muss. Das kann natürlich durchaus der Fall sein, aber leider längst nicht immer. Deshalb Vorsicht! Beispiele für falsche Freunde dieser Art sind die englischen Wörter actual (bedeutet „tatsächlich“ und nicht „aktuell“), sensible (bedeutet „vernünftig“, „spürbar“ und nicht „sensibel“), sympathetic (bedeutet „mitfühlend“, „verständnisvoll“ und nicht „sympathisch“) oder - wie in der Blog-Einleitung - I will (bedeutet „ich werde“ und nicht „ich will“) und I become (bedeutet „ich werde“ und nicht „ich bekomme“). Die Liste könnte beliebig weitergeführt werden. Natürlich existiert dieses Phänomen auch im Zusammenspiel des Deutschen mit anderen Fremdsprachen. So ist zum Beispiel ein Konkurs im Französischen kein concours (= Wettbewerb). Und eine Demonstration im Sinne einer Kundgebung ist auch keine démonstration (= Darlegung).

 

Seien Sie also vorsichtig, wenn Sie auf fremdsprachige Wörter treffen, die dem Deutschen in der Schreibweise oder der Aussprache verdächtig ähnlich sind. Vielleicht haben Sie Glück, und es handelt sich tatsächlich um ein Wort, das im Deutschen dieselbe Bedeutung hat wie in der Fremdsprache. Doch nicht selten entpuppt sich ein solches Wort als böser, intriganter falscher Freund!

 

So, das wären unsere wesentlichen Gedanken zu diesem Thema. Wir müssen jetzt leider schon wieder los, wir sind nämlich „on the run“! Sie wissen ja bestimmt, was wir damit meinen, oder?

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

PS: „On the run“ bedeutet im Englischen „auf der Flucht“, meist vor der Polizei. Das sind wir natürlich nicht. :-) Der Ausdruck wird jedoch im Deutschen oft – und im Grunde genommen fälschlicherweise – für „auf dem Sprung sein“ verwendet.

 

 

 

 
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