Emoji – Bild statt Wort?
 Foto von einem Dialog mit Emojis. Er: liebst du mich? Sie: Nein Er: hat ein gebrochenes Herz

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 24.06.2015

Genau derselbe Titel wie im letzten Blog. Er wurde lediglich um ein Fragezeichen erweitert. Denn kann ein Emoji tatsächlich Wörter ersetzen?

 

Der letzte Beitrag hat es gezeigt: Über Definition, Herkunft und Geschichte des Emojis müssen wir uns nicht streiten. Umso hitziger aber verläuft die Debatte über Sinn und Unsinn unserer Bildbegleiter.

 

„Nicht nur im beruflichen Bereich wird die Entwicklung zu immer kürzeren und undefinierteren Nachrichten beobachtet. Auch im Privaten werden die Nachrichten immer minimalistischer und oft verwendet man heutzutage sogar anstelle von Worten nur noch so genannte Emoticons – verschiedenste Bilder, mithilfe derer man sich bestens ausdrücken kann.“

 

Das Zitat stammt aus unserem Blog zum Thema Umgangsformen. Auf den ersten Blick scheint es absolut korrekt: Mithilfe von Emojis kann man sich bestens verständigen.

 

Doch ist dies wirklich unbestritten? Reichen Emojis als Kommunikationsmittel aus? Oder fehlt dann doch letzten Endes etwas? Oder noch schlimmer: Führen Emojis zu Missverständnissen oder zerstören gar unsere schriftliche Ausdrucksfähigkeit?

 

Die Meinungen divergieren, und die Argumente pro und kontra Bildsprache sind vielfältig.

 

Ein Emoji kann vor allem im Rahmen von SMS als Freund der Kommunikation bezeichnet werden. Es unterstreicht auf äusserst simple Weise eine Aussage oder dient sogar als vollständiger Ersatz für eine Fülle von Wörtern. Mit Symbolen können wir also viel Zeit sparen, nicht zuletzt auch, weil wir uns mit der Verwendung von Emojicons viel weniger vertippen als beim normalen Schreiben von Textmitteilungen. Wenn wir zudem die richtigen Worte nicht finden oder schlicht und einfach schlecht formulieren können, springen Smiley und Co. in die Bresche. Und allfällige Probleme mit der Rechtschreibung kaschieren sie auch bestens. Wunderbar, oder?

 

Buchstaben sind oft nüchtern, selbst wenn wir uns bemühen, Emotionen in unsere Meldungen zu bringen. Tierchen, lachende Gesichter, tanzenden Männchen und Sonnenstrahlen treffen uns jedoch mitten ins Herz. Und ein Emoji ist immer direkt: Oder zweifelst du noch an der Meldung, wenn du eine schöne braune Hundekacke erhältst? Immer noch wunderbar.

 

Oder etwa doch nicht? Haben wir nicht langsam genug vom ewig gleichen augenzwinkernden runden gelben Gesichtchen? Lösen hunderte von Herzchen dasselbe aus wie ein schön ausformuliertes „ich hab‘ dich sehr, sehr lieb? Übertreiben unsere Bildfreunde zudem nicht stets masslos? Logisch geben sie eine klare Auskunft, aber muss man bei allem gleich vor Lachen Tränen vergiessen? Muss man jeden Kumpel mit Küsschen und Herzen überhäufen? Und muss man so oft ein Auge zudrücken? Mit anderen Worten: Ist der altbekannte schriftliche Ausdruck nicht enorm viel nuancierter? Beugt er nicht viel eher Missverständnissen vor? Wie kann ich nämlich wissen, ob „Zwinker-Smiley“ nun einen ironischen Unterton mit sich bringt oder Nachsicht demonstrieren soll…

 

Oder noch pointierter ausgedrückt: Finden wir uns in der Vorschule wieder? Beim Zeichnen, was wir nicht schriftlich ausdrücken konnten. Und das alles zudem noch ohne Fantasie, sondern mit vorgegebenen Möglichkeiten.

 

Liebe Leserin und lieber Leser, Gegner und Befürworter von Emojis werden sich nie einig sein. Für uns als Kommunikationsprofis ist es auch nicht wichtig, wer die Debatte für sich entscheidet. Wesentlich scheint uns, dass wir uns des doch eher neuen Emoji-Phänomens bewusst sind und uns stets einige kritische Fragen stellen:

 

In welchem Kontext sind Smileys angebracht? Möchte mein Vorgesetzter zum Beispiel ein Smiley mit Mundschutz erhalten, wenn ich ihn über meinen längeren Spitalaufenthalt informiere?

 

Könnte mein Emoji Missverständnisse auslösen? Was denkt sich meine Kollegin, wenn ich ihr im Rahmen einer Mitteilung zu einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt ein Bild mit gespanntem Oberarmmuskel zusende? Könnte sie auch neidisch werden oder das Gefühl haben, ich wolle sie beeindrucken?

 

Sagen manchmal wohlformulierte Zeilen mehr aus? Könnte ich mich allenfalls mit Worten besser ausdrücken resp. versuche ich, mit Emojis meiner Sprachlosigkeit auszuweichen?

 

Stellen wir uns also immer wieder die erwähnten Fragen. Und schöpfen wir damit das Potenzial von Bildern und Buchstaben stets maximal aus. Sie haben nämlich durchaus beide ihre Berechtigung.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 
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