Höflichkeitsform: Siezen Sie noch oder duzt du schon?
 Foto von mit Kugelschreiber geschriebenem "Du" und "Sie"

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 29.05.2015

Es ist ja nicht immer so einfach mit der Höflichkeitsform. Vor allem in der Arbeitswelt lauert da und dort das eine oder andere Fettnäpfchen.

 

Neulich im Zug habe ich ein Gespräch von drei jungen Frauen mitverfolgt. Sie sinnierten darüber, was im Französischen der Unterschied zwischen den Wendungen „s’il vous plaît“ und „s’il te plaît“ ist. Ich will in diesem Blogbeitrag keine Antwort auf diese Frage liefern. Das Gespräch veranlasste mich jedoch dazu, mir ein paar Gedanken über die Umgangsformen und zum Duzen und Siezen im deutschen Sprachgebrauch zu machen.

 

Hintergrund

Mit der Höflichkeitsform „Sie“ oder der persönlicheren Umgangsform „du“ wird die Beziehung zwischen dem oder der Sprechenden und dem oder der Angesprochenen ausgedrückt. Während es früher sogar im nahen persönlichen Umfeld üblich war, sich zu siezen, wird heute das „Du“ viel eher angeboten. Im persönlichen Kreis wird praktisch nur noch geduzt. Oder könnten Sie sich heutzutage noch vorstellen, Ihre Eltern oder Grosseltern mit „Sie“ anzusprechen? Wohl kaum. Auch hätte man früher sicher eine Strafaufgabe aufgebrummt bekommen oder sogar eine Ohrfeige eingefangen, hätte man seine Lehrerin oder seinen Lehrer mit „du“ angesprochen. Heute ist auch das gar nicht mehr so unüblich.

 

In der Geschäftswelt

Gerade in der Geschäftswelt stellt sich oftmals die Frage, welche Umgangsformen man pflegen will. Mit dem Siezen behält man die notwendige Distanz, und die Höflichkeitsform zeugt von gegenseitigem Respekt. Das Duzen vereinfacht aber vieles und bringt Lockerheit, was im Arbeitsumfeld sicher auch förderlich sein kann. Meist hängt es auch von der Branche ab, ob man sich duzt oder siezt. In der Medienwelt beispielsweise pflegt man sich eher mit „du“ anzusprechen als etwa in einer kantonalen Verwaltung, in der das Siezen vorherrscht. Kommt man als neue Mitarbeiterin oder neuer Mitarbeiter in ein Büro, empfiehlt es sich somit, zuerst zu beobachten, ob das Duzen oder das Siezen angewendet wird. Allgemein gilt aber, dass das Du jeweils „von oben nach unten“ angeboten wird. Der Chef schlägt also seinen Mitarbeitenden vor, sich zu duzen. Unter ranggleichen Kolleginnen oder Kollegen bietet jeweils die ältere der jüngeren Person das Du an. Wie man es mit der Umgangsform gegenüber seinen Kunden hält, kann natürlich jedes Unternehmen selber entscheiden. Nicht zu rütteln ist aber am Kodex „der Kunde ist König“: Auch wenn man mit seinen Kunden per du ist, gilt es, Respekt und die nötige Distanz zu bewahren und dafür zu sorgen, dass die Kundschaft zufrieden ist.

 

Ein Blick über die deutsche Sprachgrenze hinaus

In anderen Sprachen wie zum Beispiel dem Englischen kennt man die Höflichkeitsform nicht in der gleichen Form wie es sie im Deutschen gibt. Im englischen Sprachgebrauch werden alle mit „you“ angesprochen, was vieles vereinfacht. Ob jemand geduzt oder gesiezt wird, erkennt man lediglich an der Verwendung von „you“ zusammen mit dem Vor- bzw. dem Nachnamen oder mit Mr. bzw. Mrs/Ms.

 

Um wieder auf das Gespräch der drei Damen im Bus zurückzukommen und letzten Endes doch eine kurze Antwort zu liefern: Im Französischen wird für die Höflichkeitsform die zweite Person Plural, also „vous“ benutzt. Der Unterschied zwischen den beiden obengenannten Sätzen sollte somit klar sein.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 
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