Deutsche Sprache, schwere Sprache
 Foto einer Gegenüberstellung deutscher und englischer Pronomen

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 01.06.2017

Deutsche Sprache – schwere Sprache! Ist es wirklich Tatsache, dass Deutsch im Vergleich zu anderen Sprachen schwieriger zu erlernen ist?


Zwei
Schreibweisen – gross und klein

Das Durcheinander beginnt bereits bei der Schreibung: Im Vergleich zu anderen Sprachen, in denen nur ganz wenige Elemente die Grossschreibung verlangen, macht einem das Deutsch mit seinem Mix aus gross und klein geschriebenen Wörtern das Leben schwer.

 

Drei grammatikalische Geschlechter

Keine Zweifel – ein englischer Muttersprachler beispielsweise tut sich schwer damit, dass im Deutschen drei verschiedene grammatikalische Geschlechter existieren. Das Englische verfügt gerade einmal über ein einziges Geschlecht. Hinzu kommt, dass das grammatikalische Geschlecht im Deutschen nicht zwingend dem entspricht, was der Begriff einen vermuten lässt. Wieso heisst es beispielsweise die Zange und nicht der Zange? Oder das Haus und nicht der Haus? Nur manchmal gibt die Endung eines Wortes den nötigen Hinweis: So sind beispielsweise Wörter mit der Endung -ling oder -ich vorwiegend männlich. Selbstverständlich bleiben jedoch auch bei dieser Regel Ausnahmen vorbehalten.

 

Vier grammatikalische Fälle

Eine weitere Schwierigkeit des Deutschen sind die vier grammatikalischen Fälle. Viele tun sich schwer mit Nominativ und Co. Klar aber gibt es auch jene, denen Fälle nicht fremd sind. Wer zum Beispiel etwas Lateinisch beherrscht oder eine slawische Sprache als Muttersprache hat, dem wird das Lernen der vier deutschen Fälle keine grosse Mühe bereiten. Perspektivenwechsel: Das Englische kennt keine Flexionsformen, d. h. das Nomen muss nicht dem Fall angepasst werden. Einzig und alleine der Genitiv wird im Englischen durch das Genitiv-s angezeigt. Die Regeln sind somit viel simpler, und dementsprechend beissen sich Englischsprechende an unseren deutschen Fällen oft die Zähne aus.

 

Fünf Pluraltypen

Leider, leider … im Deutschen kann man nicht einfach – wie im Englischen – ein s ans Wortende hängen, um die Mehrzahlform zu kreieren. Es existieren fünf verschiedene Pluraltypen. So kann die Pluralform von deutschen Nomen mit s (Auto-Autos), e (Tisch-Tische), (e)n (Lampe-Lampen) und er (Bild-Bilder) enden oder aber gleich wie die Einzahl bleiben (Fenster-Fenster). Alle Mehrzahlformen gilt es zu lernen. Ein kleiner Trost: Auch das vermeintlich einfache Englisch zum Beispiel kennt Nomen mit einer unregelmässigen Mehrzahlform, bei denen die s-Regel nicht angewendet werden kann (sheep, men etc.).

 

Zwei Schreibweisen, drei Geschlechter, vier Fälle, fünf Pluraltypen, sechs … auf jeden Fall mehr als in vielen anderen Sprachen. Mehr Optionen, die es zu erlernen gilt, die nicht immer einfachen Regeln unterliegen und die tonnenweise Ausnahmen mit sich bringen.

 

Doch halt: nicht immer!

 

Eine Aussprache

Im Gegensatz zum Englischen und Französischen beispielsweise ist die Aussprache des Deutschen ziemlich einfach. Man sagt nämlich das, was man liest! Also keine stummen Konsonanten oder Vokale, bei denen man zuerst lernen muss, wann sie wie artikuliert werden.

Und selbstverständlich hält die deutsche Sprache noch weitere Trümpfe in ihrer Hand:

Logik

Deutsch ist oft kompliziert, aber in vielen Fällen auch erstaunlich logisch. So werden zum Beispiel alle Nennwörter gross geschrieben. Es gibt in diesem Bereich keine Ausnahmen. Eine erstaunliche Logik beinhalten auch die deutschen Vorsilben in Verbindung mit gewissen Wörtern, die über die Bedeutung derselben Aufschluss geben. Als Beispiel hierzu die Präfixe bestimmter Verben. Hat man sich die Funktion der Vorsilben gemerkt, ist die Bedeutung der Verben sehr oft leicht zu erraten: stellen, ent-stellen, auf-stellen, ab-stellen, um-stellen usw.

 

Wortzusammensetzungen ohne Grenzen

Deutsch ist bekannt für seine Komposita, die dem Sprechenden oder der Schreibenden das Leben sehr erleichtern können. In der deutschen Sprache darf man Wörter im Prinzip fast beliebig aneinanderreihen. Möchten Sie etwas sagen, finden aber das passende Wort nicht? Kein Problem – basteln Sie sich einfach ein neues. So zum Beispiel war unsere Plus-und-Minuspunkte-Deutsch-Analyse heute ganz spannend.

Zusammenfassend: Wie bei vielem im Leben ist auch das Evaluieren des Schwierigkeitsgrades unseres guten alten Deutschs eine Frage der Perspektive. Mit welcher Sprache vergleichen wir? Von welcher Muttersprache gehen wir aus?

 

Der Durchschnittsdeutschlernende kann sich also im Kampf mit der Frage nach Genitiv oder Akkusativ die Haare raufen oder aber auch einfach froh sein, dass er seinen Text nicht auf Finnisch verfassen muss – in dieser Sprache müsste er sich mit 15 Fällen herumschlagen …

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 
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