Briefe schreiben – ein Plädoyer für den guten alten Brief
 Foto mit Briefumschlag, Adresse, Marke und Verzierungen

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 17.03.2015

Wie oft durchsuchen wir unsere Post. Und wie selten finden wir im Haufen Kram einen Brief. Dabei wäre Briefe schreiben so wertvoll.

 

Letzthin war es wieder einmal da: Dieses Gefühl der Vorfreude beim Anblick eines handschriftlich adressierten Briefumschlags. Die Adresse war farbig geschrieben, und die Rückseite des Kuverts war sorgfältig verziert. Endlich durfte ich wieder mal einen richtigen Brief öffnen!

 

Zum Vorschein kam ein Dankeschön für ein Nachtessen. Mit wenigen, wohlformulierten handschriftlichen Zeilen bedankte sich eine Freundin bei mir für meine Einladung. Der Brief verfehlte seine Wirkung nicht – der höchst persönliche Ausdruck der Dankbarkeit, verbunden mit einigen treffenden Worten zum vergangenen gemeinsamen Abend und zu unserer Freundschaft, berührte mich sehr.

Warum?

Und wieder stellte ich mir dieselbe Frage: Warum? Warum ist diese wunderbare Gepflogenheit des Briefeschreibens so selten geworden?

 

Auch hier hat die veränderte Zeit wohl ihre Spuren hinterlassen. Schnelllebigkeit und Hektik sind allgegenwärtig. Alle versuchen, in jeder Hinsicht effizienter zu werden. Achtsamkeit und Musse sind zu Fremdwörtern geworden. Die neuen Kommunikationsmittel wie E-Mail oder SMS machen Schriftverkehr in Höchsttempo möglich. So gratulieren wir ruck zuck per SMS zum Geburtstag oder bedanken uns – wenn überhaupt – mit einer kurzen E-Mail für ein Geschenk.

Rückkehr zu alten Werten

Dabei beweist es das Beispiel meines Briefes eindrücklich: Der Wert einiger persönlicher, handgeschriebener Zeilen ist mit jenem einer Kurzmitteilung mit langweiligen Emoticons nicht zu vergleichen. In einem Brief ist die Auseinandersetzung mit Empfängerin oder Empfänger spürbar. Handgeschriebene Zeilen erfordern mehr Konzentration und eine bewusstere Wortwahl. Briefpapier, Karte, Umschlag, Farbwahl und allenfalls Verzierungen oder Dekorationen zeugen von Achtsamkeit und einem Zeitfenster, das dem Gegenüber ganz bewusst gewidmet wird. Einen handschriftlichen Brief kriegt man nicht auf die Schnelle hin. Eine E-Mail hingegen schon – eventuell sogar verbunden mit Seitenblicken aufs Handy oder in die Zeitung.

 

Dabei würde das Schreiben von Briefen nämlich nicht nur das Gegenüber erfreuen. Es wäre vielmehr auch Seelenbalsam für die Autorin oder den Autor selbst. Vorausgesetzt natürlich, die oder der Schreibende verfügt über ein genügend grosses Zeitfenster, das in aller Ruhe für ein Briefprojekt genutzt werden kann.

 

Schreiben kann wunderbar sein – wenn wir uns bewusst vom Alltag verabschieden und uns vollumfänglich unserem Brief widmen. Ohne, dass unser Gegenüber präsent ist, können wir eine Beziehung pflegen und uns in Achtsamkeit üben.

Persönliche, handgeschriebene Briefe – Tipps und Tricks

Doch wie sieht das konkret aus? Wie schaffen wir die Rückkehr in die gute alte Welt des Briefverkehrs? In der Folge finden Sie einige wertvolle Tipps zum Verfassen von handschriftlichen Wunderwerken.

So versetzen Sie sich in „Füllfederhalter-Stimmung“:

  • Nehmen Sie sich Zeit: Erfolgsgarant Nummer eins beim Verfassen von persönlichen Briefen ist innere Ruhe.
  • Legen Sie sich einen Vorrat an Briefpapier, Karten, Umschlägen und Marken an. Eine schöne Briefpapier- und Kartensammlung ist Quelle der Inspiration.
  • Kaufen Sie sich einen schönen Füllfederhalter oder einige Stifte in Farben, die Sie ansprechen. Das richtige Schreibwerkzeug wirkt motivierend.

So finden Sie die richtigen Worte:

  • Führen Sie sich die Empfängerin oder den Empfänger Ihres Briefes innerlich vor Augen. Ein klares Bild des Gegenübers wirkt inspirierend.
  • Halten Sie – falls vorhanden – Geschriebenes jener Person, die Sie mit Ihrem Brief überraschen wollen, bereit und lesen Sie es nochmals, um sich in die richtige Stimmung zu versetzen.
  • Notieren Sie sich kurz das Ziel, das Sie mit ihrem Schreiben verfolgen. Geht es um Glückwünsche, um Dank oder vielleicht um eine Entschuldigung?
  • Halten Sie sich die wesentlichen Punkte zum Inhalt Ihres Briefes in Stichworten fest.
  • Machen Sie einen Briefentwurf, indem Sie die notierten Stichworte aufnehmen und zu jedem einige Zeilen verfassen. Schreiben Sie dabei mit genügend grossem Zeilenabstand. Platz erleichtert Ihnen Umstellungen und Korrekturen.
  • Falls Ihnen die Einleitung schwerfällt, kann allenfalls ein Gedicht oder ein Zitat hilfreich sein.
  • Machen Sie Pausen. Unterbrechen Sie den Schreibprozess zwischendurch bewusst. Und lassen Sie Ihren Entwurf insbesondere nach dessen Fertigstellung einen Moment liegen, bevor Sie ihn nochmals lesen.
  • Scheuen Sie sich nicht vor Korrekturen. Im Gegenteil, geniessen Sie herzhaftes Durchstreichen oder zögern Sie auch nicht, mal bewusst ein Blatt Papier zu zerknüllen.

Und so sorgen Sie für ein befriedigendes Endprodukt:

  • Nehmen Sie sich für die Abschrift nochmals viel Zeit. Stress erhöht die Fehlerquote erheblich.
  • Schreiben Sie vor der Abschrift bewusst einige Zeilen als Training auf ein separates Stück Papier. Bei vielen von uns ist die Schreibhand eingerostet, da sie viel zu wenig gebraucht wird.
  • Erleichtern Sie sich das Leben mit Tinte, die gelöscht werden kann. Heutzutage gibt es eine grosse Auswahl an solchen Stiften und Füllfederhaltern, und Fehler können somit äusserst einfach korrigiert werden.

Nun wünschen wir Ihnen den Mut, wieder mal so richtig zur Feder zu greifen. Und wir versichern Ihnen: Sie werden mit Ihrem Brief nicht nur Ihrem Gegenüber, sondern auch sich selbst zu einem echten Glücksmoment verhelfen.

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Nicole Hunziker, Myriam Cavegn

 

 

 

 
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1 von 1 Kommentaren

Balz, Mittwoch, 10. August 2016 18:26

Vielen herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag, über den ich gerade gestolpert bin. Da ich auch beruflich Briefe schreibe, kann ich Ihre Begeisterung nur teilen. Es ist heute ein ganz besonderes Zeichen von Aufmerksamkeit, das man mit einem Brief geben kann, zumal mit einem handgeschriebenen. Weiterhin alles Gute!

GLOBAL TRANSLATIONS, Dienstag, 16. August 2016 09:25

Guten Tag

Wir bedanken uns für Ihr positives Feedback! Schön, dass man doch immer wieder von Menschen hört, die Briefe schreiben - in unserem Leben auf der Überholspur sind letztere nämlich wunderbare "Entschleuniger".

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