Unter der Lupe: der umstrittene Apostroph
 Foto eines Rechtschreibefehlers auf einer Gastrotafel

geschrieben von GLOBAL TRANSLATIONS am 01.12.2014

Eine kleine Abhandlung zu einem kleinen Häkchen namens Apostroph.

 

Er ist verschwindend klein, doch trotzdem nicht übersehbar. Und er kann durchaus hitzige Diskussionen auslösen. Es ist sogar schon seine Abschaffung gefordert worden! Der gute alte Apostroph – er hat Freunde und Feinde zugleich.

Im Rahmen dieses Blogs und ganz nach dem Motto des letzten Beitrags – Regeln braucht es eben doch – möchten wir Ihnen eine kurze Gebrauchsanweisung zum Apostroph liefern. Verwenden werden Sie ihn kaum mehr falsch, denn die Vorschriften sind klar und auch nicht sonderlich kompliziert.

Sinn und Zweck

Die Funktion des Apostrophs ist das Anzeigen von ausgelassenen Buchstaben in einem Wort.

Kein Apostroph

Dennoch braucht es nicht bei allen ausgelassenen Buchstaben als Stellvertreter einen Apostroph. Bei Wörtern mit Auslassungen, die als gut lesbar gelten, wird kein Apostroph gesetzt, da sich ihr Bild in der Sprache durchgesetzt hat. So zum Beispiel bei folgenden geläufigen Verkürzungen, Fügungen, Mundartwörtern oder Verschmelzungen:

 

Das lass ich nicht gelten!

(Das lasse ich nicht gelten!)

 

Der Bursch wird noch staunen!

(Der Bursche wird noch staunen!)

 

Nur ruhig Blut!

(Nur ruhiges Blut!)

 

Heute war die Lektion besonders öd.

(Heute war die Lektion besonders öde.)

 

Ich gehe ans Wasser. Ich hasse das trockne Gefühl an den Füssen.

(Ich gehe an das Wasser. Ich hasse das trockene Gefühl an den Füssen.)

 

Der Radiator steht vorm Lift.

(Der Radiator steht vor dem Lift.)

 

Komm da mal runter.

(Komm da mal herunter.)

Freiwilliger Apostroph

Wird das Pronomen „es“ als „s“ geschrieben, kann gemäss Duden freiwillig ein Apostroph gesetzt werden.

 

Heute wird’s schön.

Heute wirds schön.

 

Im Restaurant gibt’s heute keinen Fisch.

Im Restaurant gibts heute keinen Fisch.

 

Zwingender Apostroph

Der Apostroph wird gesetzt, wenn ein Wort mit einer Auslassung schwer lesbar oder missverständlich wird.

 

Ein einz’ger Augenblick reichte, und er hat sich in sie verliebt.

Er unternahm nur das Nöt’ge, um sie für sich zu gewinnen.

Er wohnt in 14790 D’dorf.

 

Der Apostroph unterstützt in diesen Beispielen ganz klar die Lesbarkeit und ist somit obligatorisch.

 

Ebenso zwingend ist der Apostroph zur Kennzeichnung des Genitivs (Wesfalls) von Namen, die mit einem s-Laut (s/ss/tz/x/ce) enden.

 

Maurice’ Freundin heisst Anna.

Johannes’ Gedicht war schrecklich.

 

Alle anderen Namensendungen erfordern – im Gegensatz zum englischen Sprachgebrauch – keinen Apostroph.

 

Lauras Jacke gefiel mir ausserordentlich.

Berns Wahrzeichen ist das Münster.

 

Und Achtung: Nie und nimmer wird das Plural-s durch einen Apostroph abgetrennt, auch nicht in Abkürzungen.

 

Falsch: Die LKW’s waren alle extrem schwer.

Richtig: Die LKWs waren alle extrem schwer.

 

Falsch: Die Karton’s enthielten zahlreiche Pizza‘s.

Richtig: Die Kartons enthielten zahlreiche Pizzas.

 

Die erwähnten Beispiele zeigen, dass die deutsche Rechtschreibung beim Setzen von Auslassungszeichen einige Freiheiten lässt, wobei diese Freiheiten alle klar umrissen sind. In gewissen Situationen ist der Apostroph jedoch ein Muss, und in anderen Fällen darf keiner gesetzt werden.

 

Die Regeln sind somit eigentlich gegeben. Wieso aber wird der Apostroph im Deutschen dennoch oft falsch gesetzt?

 

Die Antwort ist einfach: Irgendwann haben wir uns von der englischen Schreibweise des Genitiv-s verwirren lassen. Im Englischen wird beim Genitiv das s mit einem Apostroph abgetrennt.

 

Caroline’s hair is beautiful!

Aber: Carolines Haar ist wunderschön!

 

Zur Veranschaulichung hier nochmals einige Beispiele falsch gesetzter Apostrophe, die alle eine Konsequenz unserer "englischen Verwirrung" sind. Ihre Berichtigungen und die entsprechende Regel dazu dienen der Vollständigkeit:

 

Caroline’s und Peter’s Sohn wird heute eingeschult.

Carolines und Peters Sohn wird heute eingeschult.

Das Genitiv-s wird bei Namen nicht mit Apostroph abgetrennt.

 

Wir sind heute in Opas’ und Omas’ Haus zu Gast.

Wir sind heute in Opas und Omas Haus zu Gast.

Die Lieferzeit des bestellten Dokuments’ beträgt 2 Tage.

Die Lieferzeit des bestellten Dokuments beträgt 2 Tage.

Auch nach einem Genitiv-s steht kein Apostroph!

 

Hans und Max Geburtstagsfest findet am Samstag statt.

Hans’ und Max’ Geburtstagsfest findet am Samstag statt.

Bei Namen, die mit einem S-Laut enden, steht im Genitiv jedoch ein Auslassungszeichen.

 

Unsere CD’s und DVD’s finden Sie im Erdgeschoss.

Unsere CDs und DVDs finden Sie im Erdgeschoss.

In dieser Stadt hat es viele weitläufige Park’s, angesagte Club’s und gemütliche Café’s.

In dieser Stadt hat es viele weitläufige Parks, angesagte Clubs und gemütliche Cafés.

Vor einem Plural-s steht kein Apostroph!

 

Acht‘n Sie in Zukunft also wieder vermehrt auf den klein’n Apostroph. Und denk’n Sie dran: Richtig eing’setzt ist halb gewonnen!

 

Autorinnen: Tatjana Greber-Probst, Myriam Cavegn, Nicole Hunziker

 

 

 

 

 
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2 von 2 Kommentaren

Spack Karin, Donnerstag, 11. Dezember 2014 10:01

Liebes GT-Team

Somit wäre diese Version richtig: Paul Witschis Sohn Friedrich erreichte ....

und diese Version ist falsch: Paul Witschi's Sohn Friedrich erreichte ....

 

Genau dieser Passus unserer Firmengeschichte sind wir intern am Diskutieren. Danke für Feedback.

LG Karin Spack

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Tatjana Greber, Donnerstag, 11. Dezember 2014 12:09

Liebe Frau Spack

 

Vielen Dank für Ihre interessante Frage. Ja, Sie sehen das richtig. Ihr Beispiel ohne Apostroph ist korrekt. Wie Sie jedoch in unserem Artikel von dieser Woche (Weitere Gedanken zur Rechtschreibung) lesen können, ist das unter Sprachprofis verpönte mit Apostroph abgetrennte Genitiv-s gemäss Duden in gewissen Fällen trotzdem zulässig. Wie zum Beispiel in Firmennamen oder zur Unterscheidung von männlichen und weiblichen Vornamen. Im Fall von „Paul Witschis Sohn erreichte…" sagen wir aber ganz klar: ohne Apostroph.

 

Freundliche Grüsse

Tatjana Greber